Wörter mit Scharnier

Stolpern Sie? Stolpern Sie über das komische Wort? Stolpern Sie bitte. Denn genau das ist gewollt. Onleihe. Da schwingen mit: Online und Ausleihen. Und genau darum geht es. Onleihe ist nichts als die Möglichkeit, digitale Medien online auszuleihen. Aufmerksam gemacht auf den schönen Begriff hat mich Großkontributor Klaus H. Meinen Dank dafür.

Kurz: Bibliotheken bieten Zeitungen, Zeitschriften und Bücher online an. Geht schnell, denkt man, ist praktisch und irgendwie sozialverträglich. Pustekuchen!

Denn wenn Sie der Produzent dieser Werke sind, ist es Ihnen natürlich lieber, wenn der Leser Ihnen sagen wir mal 3,50 Euro bar auf die Kralle legt als einen Großverteiler zu beliefern, der Ihr Werk für wenig Geld ausliefert. Und so kommt es, liest man, immer wieder zu Lieferengpässen. Die OnleiheRuhr beispielsweise hat ja nicht beliebig viele Westfälische Rundschauen auf den Servern, sondern nur ein paar, und erst, wenn ein Leser das Lesen beendet, darf der nächste ran. Ist klar, oder?

Nicht klar? Die Dame Harry Potter und deren Verlag leben ja vom Verkauf der Bücher, der einzelnen. Gäben sie ein Exemplar zum unbegrenzten Verteilen und Lesen auf die Server der Onleihe, kaufte keiner mehr das Gedruckte. Dann – Onleihe: glücklich, Leser: glücklich, Frau Potter: pleite, Verlag: stinkesauer.

Aber mir geht es hier nicht um die Probleme der Onleihe. Ich will Ihnen die Konstruktion des Worts mal nahebringen. Und dazu gehen wir mal in die Mediathek der ARD …

Stopp, wir sind schon mittendrin. Mediathek ist ein Kunstwort aus Medien und Bibliothek. Klar? Wir nennen solche Wörter Kofferwörter. Und da ich keine Ahnung hatte, warum das so heißt, zitiere ich mal Wikipedia, ich will hier ja nicht mein mit Fremd-Federn geschmücktes Kleid laufstegen: Ein Kofferwort, auch Schachtelwort oder Port[e]manteau-Wort genannt, ist ein Kunstwort, das aus mindestens zwei morphologisch überlappenden Wörtern entstanden ist, die zu einem inhaltlich neuen Begriff verschmolzen sind. Der zugrundeliegende Wortbildungsprozess wird als Amalgamierung, KontaminationWortkreuzung, Wortmischung, [Wort]verschmelzung oder Wortverschränkung bezeichnet. Bekannte Beispiele sind Brunch (breakfast + lunch) oder Denglisch (Deutsch + Englisch). Wiki Ende.

Noch ein Beispiel? Ich hatte mich neulich mal sehr verhauen (und bin zu Recht verhauen worden) beim Begriff ω Ophthalmothek. War auch ein Kofferwort aus der Augenheilkunde auf Griechisch und einer Bibliothek.

Immer wieder gerne genommen: Begriffe aus der Reisewelt. Rotel oder Motel, rollendes Hotel oder Motor und Hotel. Aber am weltbekanntesten natürlich alles, was auf -gate endet, seit Watergate 1972, Nixon und die Spionage bei den Demokraten, die im sogenannten Watergate-Gebäude residierten. Erdo-Gate neuerdings und andere folgten.

Ich werfe mal ein paar weitere hin …

Bollywood

Eurasien

Workoholic

Teuro.

Habt’s mi?

In eigener Sache
Übrigens, auch die deutschmeisterei ist so etwas wie ein Kofferwörtlein. Es gibt den oder die Deutschmeister, aber die haben mit der deutschen Sprache wenig zu tun. Durch die Nachsilbe -ei erheben wir den Deutschmeister zu etwas Ähnlichem wie einen Handwerker, einen Manufakteur – wie in Schusterei, Metzgerei, Polsterei, Postmeisterei, ähhhh … Rührei!

Rührt euch!

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