Dass es klitscht!

Gestern hatte ich Ihnen einen kleinen Bericht aus dem Freibad versprochen, hier kommt er – wobei wir Nürnberger nicht Freibad sagen, sondern Clubbad und froh sind, dass die weichen Buchstaben B und D korrekt im Wort vertreten sind, sonst müssten wir sie ja labial einweichen. Gut, manche sagen gleich Glubbbad, mit drei B und führendem weichen G für K oder C.

Das Glubbbad mit Deutschlands erster Fünfzig-Meter-Bahn in Edelstahl ist das Bad des Clubs, für Nichtfranken: des 1. FC Nürnberg. Dort schwamm ich gestern morgen meine Bahnen, wollte dann eine Abkühlung in der Cafeteria – und sah …

Bitte nicht Klitschnass in die Cafeteria gehen!

Erst Anmerkung: Muss eigentlich heißen …

Bidde nich Glidschnass in’d Gafederia gehn!

Aber diese Anmerkung sparen wir uns. Uppssss, zu spät …

Und dann saß ich da und fragte mich, wieso jemand auf die Idee kommt, klitschnass groß zu schreiben. Gut, der Herr, der das geschrieben haben könnte (eins zweiundneunzig groß, geschätzt zweieinhalb Zentner), thronte an der Kasse, aber ich traute mich nicht. Klänge arrogant in meinem lautreinen Hochdeutsch, oder? Sagen Sie mal, wie kommen Sie auf die Idee …

Mögliche Antworten (1) basst schoo … (2) häääääääää? (3) trockne dich erst mal ab (4) hat mei Frau geschriebn (5) ist noch vom Vorbächda (6) am morgen kost die Schbreid vierfünfzig für dich …

Und da ich morgen wieder bahnenschwimmen will, schwieg ich.

Ich habe eine Idee. Man wollte das klitschnass nassforsch betonen, fand aber die Fett-Tasten-Kombi nicht, diese hier, und schrieb es groß.

Und überdies ein Lob. Eigentlich hätte ich gesagt: nass reicht! Aber in einem Bad in diesen Tagen sind alle nass, irgendwie. Dann machte der Herr kein Geschäft mehr. Also relativiert er in klitschnass, triefend nass, tropfend nass, die Fliesen besprühend und betropfend nass (Rutschgefahr!).

Und seien wir ehrlich, klitschnass ist ein prima Wort … groß oder klein.

Aber Sie wollen natürlich von einer bildungsfördernder Seite wie dieser wissen, warum das Wort so heißt. Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Klar ist, dass Klitschnasses Schwesterchen, das Klatschnass, damit eng verbunden ist. Etymologische Werke schweigen, nur das Grimm’sche Wörterbuch lautmalt herum, Quintessenz: So nass, dass es klitscht oder klatscht.

Ich darf die Grimms zitieren: klatschnasz, nasz zum klatschen (s.klatschen 1,f), schles. (klatschenasz) Weinh. 43b, sächs. thür., auch in Aachen Müller u. Weitz 110. die schles. form läszt ein urspr. klatschend nasz erkennen, wie das deutlicher erscheint in brandenb.klatsch’nnatt Danneil 102b, thür. sächs.klitsch’nnasz (s. klitschnasz). ebenso bair. pflät- schnasz, britschnasz, schwz. plätschnasz, flätschnasz, pfletternasz, sächs. pfitschenasz, pfätschenasz, nd. kläternat.

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