Achtung, Glatteis!

Wir spielen Eishockey, Nürnberg ist mit seinen Icetigers ganz gut dabei, auch international, und natürlich berichtet meine Heimatzeitung, die Nürnberger Zeitung, regelmäßig übers Treiben auf dem Glatteis.

Im Bildchen greift einer der Tiger namens Mr Segal den Torhüter der Gegner an. Und was macht Mr. Segal?

Brandon Segal nimmt gegen Mlada Bodeslav maß …

Bleiben wir, rein sprachlich, im Bild. Der Angreifer nimmt sich ein Maßband, ein Maß (nicht: die Maß), und legt an. Nun, Herr Segal kommt wahrscheinlich aus Kanada oder den USA, er weiß nicht, dass wir hier auch die Großschreibung pflegen. Was nimmt er also, Herr Schreiber von der Zeitung? Er nimmt Maß. Wir schreiben das groß.

War es das?, fragen Sie. Nein, das war es nicht. Denn Sie, verehrter Leser, könnten daraus den Schluss ziehen, dass Verbfügungen mit einem Nomen und einem Verb immer substantiell erhaben daherkommen.

Dann lege ich Ihnen mal das Gegenbeispiel auf.

Nachdem Herr Segal den Puck nicht in die Maschen hat unterbringen können, stand die Mannschaft kopf.

Ja, das ist richtig, das Verb heiß kopfstehen, und da gibt es keinen Grund, bei Trennung der beiden Bestandteile plötzlich mit großem Kopf rumzulaufen.

Das Verb maßnehmen gibt es übrigens nicht. Der Duden schreibt zu kopfstehen (das gibt es wiederum): Man schreibt zusammen: kopfgestanden; um kopfzustehen. Als Verbzusatz wird kopf kleingeschrieben: ich stehe / stand kopf. Das Verb kopfstehen wird meist im Ÿbertragenen Sinn gebraucht: Alles stand kopf, er stand vor Staunen kopf. Im eigentlichen Sinn zieht man die FŸügungen einen „Kopfstand machen“ und „auf dem Kopf stehen“ vor.

Erkennen Sie da eine Regel, bei der Sie eine Faust machen können? Nein, Sie begeben sich bildlich gesehen aufs Glattteis. Die einzige Regel lautet: Schauen Sie in den Duden.

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