Hallo?

Ich stieß des Nachts über eine Werbung, wie man so im Internet über Werbung stößt. Angeboten wird ein spezielles Ladekabel für iPad und iPhone, das angeblich die Ladezeit um einiges verkürzt. Holla, dachte ich, eiPhonederdaus! Schaute mir die Causa näher an und landete schließlich beim Großgedruckten, das ich Ihnen nicht vorenthalten wollte.

Wir haben hier den seltenen Fall einer Firma und deren Deutschkenntnisse, die deutsch heißt – was bitte ist an Hallohaus nicht so deutsch, wie es nur geht? Nix Hellohouse, nix Olacasa!, nix Allomaison – und ausländisch kommuniziert, aber so, dass es deutsch ausschaut. Welche eine Leistung! Oder um es mit dem Fremd-Duden auszudrücken, den Hallohaus exklusiv für sich reklamiert: Leis, tung aus-druck in Hoch Form Sprach.

Sie verstehen nichts? Willkommen im Club!

Ich schaute mir dann das Forum an, um meiner Skepsis zum Kabel selbst Nahrung zu geben. Und siehe da: Mehr oder weniger in Echtzeit beantwortete jemand die Fragen der potenziellen (Duden bevorzugt die Schreibung mit Z statt mit T) Käufer. Er tat das in gutem Deutsch. Und erlesen freundlich. Auch das Interesse am Standort der Firma wurde bedient. China.

Ahhhhh! Da liegt del Hase im Paniel – oder so ähnlich.

Hallohaus setzt jemand an den Rechner, um Fragen zu beantworten (der, wahlweise: die residiert wahrscheinlich in Kattowitz, Konstanz oder Koblenz). Aber sie haben niemanden, der ihnen im fernen Reich der Mitte die Mittel gibt, einen anständigen Text zu verfassen.

Herlig, odel?

2 Kommentare zu "Hallo?"

  1. Dazu fällt mir spontan ein in den 70er Jahren erschienenes dtv-Taschenbuch ein. Titel: Es fängt damit an, dass am Ende der Punkt fehlt -Stilblüten aus amtlichen und privaten Schreiben.

    Darin enthalten ist eine Bestellung aus Fernost bei einem Metall verarbeitenden Betrieb in Heidelberg.
    Dabei ist interessant, dass bereits vor 46 Jahren ein gewisser Deutsch-Meister seinen Auftritt hatte:

    TANAKA SHOKUHIN Co.LTD
    Hiroshima
    an die Firma
    Borg-Warner-Stieber
    Heidelberg

    Sehr geehrte Herren,
    wir jetzt Deutsch schreiben weil wir jetzt haben einen Deutsch-Meister und bestehlen 50 Runde Sofas so umgehend wie geschwind.
    Mit freundlichen Grüssen
    M.SHOKUHIN

    Was will der???
    Vermutlich 50 Kugellager!
    Geliefert 2.8.72

    Im Buch ist die Original-Bestellung abgebildet – die habe ich Ihnen per E-Mail zukommen lassen.

    • Leif-Ove Murayama | 18. Oktober 2018 um 8:12 | Antworten

      Ein „Deutsch-Meister“. Herrlich. Ich versuche einmal, die Gedankengänge des höflichen Deutsch-Schülers bei Tanaka Shokuhin (wer die Firma im Internet finden möchte, gibt 田中食品株式会社 in die Suchmaske ein) zu rekonstruieren: Offenbar hatte er ドイツ語の先生 (doitsugo no sensei) im Kopf, das wäre nämlich „Deutschlehrer“ auf Japanisch. Sensei wird u. a. als „Meister“ und auch als „Lehrer“ übersetzt. „Deutschmeister“ musste ich nachschlagen: ドイツ騎士団団長 (doitsu-kishidan-danchô), wörtlich der Deutschritterorden-Gruppenführer.
      Das Kugellager heißt auf Japanisch 球軸受 (tamajikuuke). Das erste Zeichen liest sich tama und bedeutet „Ball, Kugel“. Die anderen beiden Zeichen bedeuten „Achse“ und „auffangen“, ausgesprochen: jikuuke. Jikuuke ist zwar nicht das „(Nacht-)Lager“, aber das „Lager“. Das Sofa hieße ganz anders, nämlich ソファ (sofa). Es ist aber wie das Lager eine Vorrichtung, auf der es sich vortrefflich vor dem Fernseher einschlafen lässt.
      Der Vollständigkeit halber auch noch „bestehlen“: Bestehlen und bestellen sehen nicht nur mit lateinischen Buchstaben ganz ähnlich aus: Überträgt man bestehlen (ベシュテーレン) und bestellen (ベシュテレン) in das japanische Schriftsystem, unterscheiden sich die Ergebnisse nur durch den Längsstrich. Er weist den Leser an, die vorhergehende Silbe (hier das te) doppelt so lang wie eine normale Silbe auszusprechen. Das Fehlerpotenzial beim Schreiben dieser beiden Wörter ist also in beiden Schriften groß.
      „Mit freundlichen GRÜSSEN“: Besagter „Deutsch-Meister“ hat wohl von einem Schweizer oder Liechtensteiner Deutsch gelernt.

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