Lotte in Weimar

Das ist Frau Kircher. Frau Kircher spielte im Weimaraner Tatort Der höllische Heinz vom Sonntag keine sonderlich sympathische Rolle. Sie endet, so viel sei verraten, auf Pflasterstein; ihr Sohn, nicht die hellste Birne am Leuchter, ist zu doof, um die neunzig Minuten zu überleben. Das spielt aber hier keine Rolle.

Auf diesem Bildchen, geknipst vom Fernsehgerät, sehen Sie, wie die Dame Kircher einen kapitalen Karpfen in den Hämdchen hält. Ihre Werbeagentur hat ihr dazu in feinster Thüringer Dicht- und Reimkunst etwas auf den eleganten Leib geschrieben, das es in sich hat.

Weimar springt in die Bresche, für Karpfen, Forelle & Äsche!

Das hat natürlich nicht die Agentur verbrochen. Die Drehbuchautoren waren es; sie seien hier erwähnt, weil diese Folge so klasse war: Murmel Clausen und Andreas Pflüger.

An diesem Spruch stimmt nur wenig. Erstens ein wunderbar falsch platziertes Komma, ein idiotisches Kaufmanns-Und zum Zweiten und das Versmaß, drittens, holpert so wie eine stinknormale Kutsche auf Pflasterstein (sic!) mit Johann Wolfgang von und zu Goethe als Passagier im Jahr 1775. Wo war der Dichterfürst da?

Richtig, in Weimar. Das ist der Bezug.

Rechts unten im Bildchen sehen Sie Christian Ulmen. Dessen Gattin im Film, ebenfalls Kommissarin und gespielt von der wunderbaren Nora Tschirner, sagt zu ihm in der Szene …

Gut, dass der Goethe das nicht mehr lesen musste.

Recht hat sie. Und Sie machen gewiss keinen Fehler, wenn Sie sich diese Folge in der Mediathek der ARD einmal anschauen; sie ist einfach sehr, sehr unterhaltsam. Spiegel-online vergab 9 von 10 Punkten. Zu Recht, wie ich finde.

Übrigens, wenn Sie bitte einmal auf die überaus doppelbödige Überschrift achten und mir leichten Applaus spenden würde. Kommt es? Verstanden. Das Büchlein über ω Charlotte und Goethe, und ja, Lotte ist auch ein ω Fisch. Nur schade, dass Frau Kircher nicht auch Lotte hieß; sie hörte auf Ellen.

2 Kommentare zu "Lotte in Weimar"

  1. Dieter Graber | 8. Januar 2019 um 9:34 | Antworten

    Hallo Herr Lohmann,
    schön, dass es Ihre lehrreiche und freche Seite gibt.
    Zu „,Lotte in Weimar“ eine kleine Anmerkung: Das Komma darf m. E. da stehen, weil es erstens eine gewisse Dramatik in die Lesbarkeit bringt (ähnlich wie ein Gedankenstrich) und zweitens vor „und zwar“ eins hingehört, auch wenn auf „und zwar“ (aus Platzgründen oder was weiß ich) verzichtet wurde.
    Beste Grüße

    • Lieber Herr Graber, das Lob nehme ich gern entgegen. Lehrreich und frech, beides gefällt mir. Und ich folge Ihren Argumenten und lasse Werbern mal jeden Spaß der Welt (auch wenn ich anderer Meinung bin, strengerer).

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