„Hallo“, begrüßte sie ihn mit einem Hallo

Ich lese ja viel, das ahnen Sie, und wenn ich lese, gelingt es mir nicht, das professionell geschulte Hirn auszuschalten. Also sammele ich Auffälligkeiten, und wenn ich genug gesammelt habe, zeige ich sie Ihnen. In der Hoffnung, dass sich Autoren, Schreiber unter Ihnen befinden – und lernen wollen. Das macht mir die Arbeit leichter. Denn das, um das es mir heute – zum wiederholten Mal, ich gebe es zu – geht, ist nicht nur überaus ärgerlich, sondern auch handtastengriffkorrekturintensiv.

Das hässliche Inquit, eine Zeichen ungeübten Schreibens. Inquits nennt man die Nachgänge zur wörtlichen Rede, die Wörter, die eine Wörtlichkeit beendet oder sie ausleiten. Streng genommen, und ich neige zur Strenge, sind nur zugelassen die Verben des Sagens, um zu kennzeichnen, wer spricht.

Ich wasche dir heute die Füße, sagte Hans.

Perfekt! Denn es ist klar, dass nur Gretel gemeint sein kann.

Ich wasche dir heute die Füße, sagte Hand gründonnerstäglich gestimmt.

Irrsinn! Streichen, raus! Wie kann man gründonnerstäglich gestimmt sein? Der Schreiber will damit nur darauf hinweisen, dass es an diesen Tag eine christliche Fußwaschtradition gibt. Der Schreiber ist nur zu faul, daraus zwei Sätze zu machen, einen mit der Willensbekundung, einer mit der Zeitangabe.

Schauen wir uns das erste Beispiel im Bildchen an.

Es tut mir leid, sagte Nik bedauernd.

Mann, wenn einem etwas leid tut, ist das Bedauern ja quasi ins Erbgut von leidtun eingemendelt. Oder? Streichen! Rückstandsfrei, bitte.

Aber es kommt noch doller in meiner gründonnerstäglichen Sammlung. Da reicht die einfache Fußwaschung nicht; ich empfehle: Dekontaminierung, ganzkörperlich!

Das glaube ich auch, stimmte Leon ihr zu.

Es ist mir egal, was ihr glaubt, versuchte Christof die Situation zu retten.

Bist du verrückt?, fragte Christof entgeistert.

Streichen! Streichen! Streichen! Die wörtliche Rede steht für sich selbst. Es muss nur klar sein, wer spricht. Alles andere liegt in der Rede, der wörtlichen.

Weiter im Text, heute sehen Sie mehrere Beispiele.

Eine gute Idee, dann haben wir keinen Stress, machte sie aber gute Miene zum bösen Spiel.

Bitte? Merken Sie den Irrsinn? Der Autor will sagen: Sie hält es für eine gute Idee und will zugleich irgendwie dulden, was er vorhat, wenngleich die Dame gerne etwas anderes getan hätte – sich von ihm die Füße waschen zu lassen, beispielsweise. Dieser Satz klingt so irrsinnig, dass der Lektor nur verzweifeln kann. Der Satz, seien wir ehrlich, ist nur durch massive chirurgische Eingriffe inklusive eines Telefonats mit der Schreiberin irgendwie auf Standard zu bügeln.

Der nächste zeigt wieder, dass der Schreiber zwei Dinge verbinden will.

Wie ist dein heutiger Trainingsplan?, stellte sie sich auf ihn ein.

Ein Zitat – plus die Reaktion der Angesprochen. Sie fragt und sie stellt sich ein. Holpriger, amateurhafter geht es kaum.

Übrigens01. Das klassischte aller klassischen Dumm-Quits finden Sie in der Überschrift. Ein Merk-Quit! Ein Lasst-es-von-nun-an-einfach-sein-Quit …

Übrigens02. Die deutschmeisterei.de lässt Sie auch morgen, Karfreitag, nicht im Stich.

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