Mehr als bedenklichstens

Dieses Bildchen habe ich mir auf Halde gelegt am 16. März des Jahres 2019, weil ich anhand des Textes zum Bildchen zweierlei, nein: dreierlei gut erläutern kann. Aha, denken Sie, das hätte er auch einen Tag danach machen können. Nein, sage ich. Denn das Bildchen bekam gestern einen neuen HSV-internen Sinn, dazu unten mehr. Und so schlage ich mehrere Fliegen mit einer Klappe, unter anderem ein paar Worte zur Situation des Hamburger SV, meines 49-Prozent-Club-des-Herzens.

Gestern ließen die Bayern meinen 51er Herzensclub, den Nürnberger, nicht gewinnen, sodass der wohl abwärts zurück in die Zweite geht. Und natürlich weise Worte zum Sprachgebrauch, hier: die Sprache der Fußball-Schreiber.

Zur Lage: In Minute siebzehn (so reden sie, sie sagen auch Liga zwei) des Spiels gegen Darmstadt führte der HSV mit 2:0. Herr Lasogga hatte einen Foulelfmeter verwandelt. Wie tat er das nach Meinung des Schreibers für den Kicker?

… mehr als kompromisslos.

Upps. Wie bitte geht denn das? Haben die die deutschmeisterei.de nicht gelesen, in der ich öfter die Verwendung der Wendung mehr als … in komparativen Sätzen angeprangert habe? Ein neutrales Beispiel:

Er wies sie mehr als rüde zurück.

Wenn etwas mehr als rüde ist, gibt es dafür sicherlich einen feinen Begriff: sehr taktlos, kaltblütig, brutal, skrupellos, unerzogen, ruppig, brüsk.  Nur als Auswege. Mehr als … zeigt nur generell, dass der Schreiber sich keinen Gedanken darüber gemacht hat, was er wirklich sagen will, deutlicher: Ihm fehlen Sprachvermögen, Phantasie – oder auch nur die Zeit.

Lasogga verwandelte also mehr als kompromisslos, es gab keine Kompromiss. Er macht keine Gefangenen. Energisch, brutal, mit eisernem Fuß, gnadenlos wie ein staatlich geprüftes Fliegenkiller-Kommando auf einem Misthaufen. Gut, das letzte Beispiel müsste man überdenken. Aber es ist alles besser als mehr als kompromisslos.

Dazu passen auch die anderen Ausdrücke.

… etwas mit Karacho donnern.

Um diesen Elfmeter zu beschreiben, reicht mehr als … nicht aus. Es fehlen noch Karacho und donnern. Das nehme ich erst entgegen, wenn das Wort Karacho ohne den Beigeschmack donnern, respektive: schnell ausgeliefert wird. Wie heißt der Pleon noch mal mit Vornamen? Ach ja, Asmus.

Und …

… turmhoch überlegenen Hamburger.

Hey, nicht nur überlegen, sondern gleich turmhoch. Heißa, was für eine Sprache, was für ein überzogener Ausdruck! Da klingelt es im Gebälk des Tores, da feiern die Mäuse unter der Latte Schützenfest. Da biegt sich der Balken des Sprachgefühls, dass die Schwarte kracht, bis der Schiri kommt.

Und nun zwei Nachsätze zum HSV. Dieses Spiel gegen die Darmstädter verloren meine Hanseaten am Ende noch mit 2:3. Erstens.

Zweitens zur Begründung, warum dieser Text erst heute erscheint: Der HSV hat gestern das Spiel gegen die Unionisten aus Berlin mit 2:0 verloren und ist von einem Aufstieg so weit entfernt wie Paderborn von Padua und Pattang. Aber in der kommenden Saison meinem 51-Prozent-Club so nahe, dass ich radeln kann, um die Herren sehr lebendig zu beschimpfen, dass ihnen Hören und Fuß-Ballern erst recht vergehen.

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