In stillem Gedenken

Irgendein gerade mal Flügger hat sich in Nordrhein-Westfalen in den Wagen seines Vaters gesetzt und sich dann mit einem noch Unbekannten ein Rennen in der Innenstadt geliefert. Eine Unbeteiligte starb. Ich möchte diesem Halbstarken gern auf meine vollkommen unpädagogische Art am liebsten stundenlang die Leviten … nein, gewiss nicht lesen. Das Entsetzen über eine solche Tat findet keine Worte. Er hat das Leben eines Menschen verspielt – und seines auch.

Die Tatsache, dass Jungelchen nicht mal im Besitz eines Führerscheins war, ist eine tragische Ironie.

Zurück zu den Leviten. Dies ist ja kein Tagebuch zur Disziplinierung Missratener, sondern zur Stärkung von Sprache.

Spiegel online möchte ich ein paar dieser Leviten mal unters Näschen drücken, mit sanfter Gewalt. Und bevor Sie mich nach der Redewendung fragen, liefern Wikipedia und ich die Antwort: Die Redewendung stammt aus dem Klosterleben des Benediktinerordens. Bereits im 8. Jahrhundert gehörten Andachts- und Bußübungen zum Ordensleben. Dabei wurden häufig Bibeltexte aus dem dritten Buch Moses, auch Levitikus genannt, vorgelesen, die vorwiegend Verhaltensmaßregeln für Leviten (Priester) enthalten. Meist folgten im Anschluss daran auch Mahn- und Strafpredigten zur Besserung der lasterhaften Geistlichkeit.

Haben wir das also. Spiegel online schreibt zur Nachricht über den Unfall unter das Bild …

Mit Blumen und Kerzen wird dem 43-jährigen Opfer gedacht.

Ich bin ganz ehrlich zu Ihnen. Als ich das las, war ich sicher, dass es eine Ausnahmeregelung für norddeutsche Journalisten in Ausbildung gibt, die das mal so schreiben dürfen, bis Ihnen der Chef vom Dienst kurz und liebevoll die Ohren auf die Leviten drückt. Jungchen, das machste nicht wieder! So was in der Art dachte ich.

Falsch. Das Verb gedenken wird, wenn es um die Person oder die Sache geht, an die man denkt, ausschließlich mit dem Genitiv, zweiter Fall, Wes-Fall ausgeliefert. Ein paar Schweizer Bergvölker (geschätzte Distanz zur Hamburger Redaktion: mehr als eintausend Kilometer) nur nutzen es mit dem Dativ. Die dürfen das.

Spiegel online! Das geht nicht. Ich gedenke dieses Fehlers (ja, da klemmt ein Genitiv-S dran) stündlich und werde euch den Fehler um die Leviten hauen, dies ihr dessen gedenkt beim Einschlafen, beim Schreiben und beim Aufwachen, ihr Leviten!

… wird des 43-jährigen OpferS gedacht.

Hammas?

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