Beidragla mit Folglor

Der Franke spricht komisch. Der Franke ist dennoch ein eher freundliches Wesen. Aber wenn es ums Sprechen geht, ist der Franke … gewöhnungsbedürftig für Menschen jeder Zunge außerhalb der hiesigen Gemarkung. Oft versteht man ihn nicht, wenn man als Zugereister auf eine Gruppe Einheimischer trifft, oft hängen die Menschen ein -la an Substantive, einfach so. Eine Tasse wird so zum Tässla (kein Auto), und ja, Sie sehen schon: Dieses Anhängen macht das Ursprungswort oft auch gleich zum Diminutiv, zur Verkleinerungsform. Aus Tasse wird Tässchen wird Tässla.

Die Dame in meinem Schreibwarenladen entlässt mich jedes Mal, und ich gebe zu, ich warte drauf, mit …

Schöner Dach …

Ja, sie verschluckt die Beugung, und ich weiß doch, dass sie eigentlich sagen will: Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag. Kann sie aber nicht …

Dies müssen Sie wissen, um den Beitrag zu verstehen, den mir H., eine Leserin aus einem Ort mit -reuth am Ende (gibt es hier häufiger als Zecken im Garten) geschickt hat. Sie hat die Bildchen geknipst in der Gerontopsychiatrie des Nürnberger Klinikums Nord, zusammen mit dem Klinikum Süd übrigens das größte städtische Krankenhaus der Welt.

Für Ältere, die sich vielleicht nicht mehr an alles in ihrem Leben erinnern, wird der Begriff Aufenthaltsraum übersetzt ins vertraute Fränkisch.

Zimmerla mit Fernseh

Sie stoßen sich an Fernseh? Vergessen Sie es. Beugungen – siehe: Schöner Dach – vollzieht man hier eher zwischen Erster und Zweiter Liga, am Ende ein paar Buchstaben zu verschlucken, gehört zur lingualen Folklore. Wissnswos? Verstund? Bassdscho …

In dieselbe Kerbe schlagen die anderen Bildchen von Frau H. Ich häng Sie einfach an.

Besonders herrlich finde ich den oder das Abbord. Wollen Sie hier Doilettn lesen? Oder Entspannungsraum mit Schüssla? Nein, der Franke liebt das weiche B – als Ersatz für jedes gesprochene P. Er macht aus jedem T ein D, aus K ein G – jetzt können Sie auch die Überschrift übersetzen in Ihr Idiom. Also, wenn man schon mal die Gelegenheit hat, ein doppeltes B zu schreiben …

Und Abort, der Ursprung von Abbord? Selten gehört. Es ist der abgelegene Ort. Wunderbar.

4 Kommentare zu "Beidragla mit Folglor"

  1. Ulrich Schol | 16. Mai 2019 um 10:38 | Antworten

    Bemerkenswert ist, dass die Schilder auch auf Russisch beschriftet sind. Gibt’s da so viel russischsprachige Kundschaft?

    • Das habe ich mich auch gefragt, Herr Schol – und dann die Frage gar nicht erst aufgeworfen, weil ich das Fränkische im Auge hatte. Nürnberg hatte 2018 einen Ausländeranteil von 22,6 Prozent. Die Russen sind in der offiziellen Statistik der Stadt nicht aufgeführt, lediglich Türken, Iraker, Ukrainer und Syrer. Das Türkische wäre wohl die erste Fremdsprache der Wahl gewesen.

  2. Passend dazu vermeldet der Postillon (oder vermeldet der Bostillon bassend?)

    +++ Bauschal: In Franken trägt jeder Handwerker ein Halstuch +++

    https://www.der-postillon.com/2019/05/newsticker-1350.html

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