Die Nullkommanullmeldung

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich den Journalismus in den Achtzigern von der Pike auf gelernt habe? So richtig als Volontär, mit gestandenen Ausbildungsredakteuren, mit Stationen in allen Redaktionsteilen, mit Unterweisung in Berufsethos – bei der liberalen Badischen in Freiburg. Dieses Lernprogramm mit Anfang dreißig verlässt einen nie, es wirkt, heute würde man sagen: es ist nachhaltig. Es schwebt einem nach, und es hält.

Käme mir später ein junger Kollege mit dem, was Spiegel online hier abliefert … nun, er wüsste – ich klopfe mal kräftig auf – danach, wo Barthels Pfeffer wächst, oder so ähnlich.

Trennungsgerüchte bei „Riverdale“-Paar Reinhart und Sprouse

Bei wem?

Nun, der junge Kollege würde mir sagen, dass die beiden beim Nachwuchs enorm … und ω Riverdale so was von angesagt … und dass die halbe Welt unter fünfundzwanzig zittere, heule, zähneknirsche, wehleide, schnappatme, wenn …

Geschenkt, würde ich sagen, also, was haben wir?

Man weiß, dass man nichts weiß

Jetzt flögen Fetzen. Jetzt steppte der Papst durch die Reaktionsstube. Jetzt baumelten Kronleuchter. Jetzt schwängen – dass ich diesen wunderbaren Konjunktiv II jemals setzen durfte! Danke – Thors Streitäxte.

Bitte was?

Wir geben zu, dass wir nichts wissen? Wir plappern mal nach, was irgendwo wabert? Wir haben keinen Beleg? Wir verschenken Platz für nichts? Wir haben kein Zitat? Hat da ein Kellner in einem nicht näher bekannten Café in Tollyschnut was geplaudert und wir drucken das auch noch?

Wut-Modus aus.

Basis jeder Nachricht ist die Relevanz. Gut, die kann bei einer bestimmten Sorte Frösche in diesem Fall gegeben sein. Vertrauen wir dem Jungredakteur. Und dann schauen wir uns die Faktenlage an. Es wird ganz, ganz, ganz dünn. Wir wandern mit Bergstiefeln über eine Brücke aus Pergament. Da ist nichts, was uns hält. Nichts. Punkt!

Raus damit, das nehmen wir nicht.

So wäre es gewesen in den Achtzigern bei der Badischen.

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