Haus mit Drehtür

Liebe Wochenendlerinnen und andere Leser dieses Tagebuchs, unser aller Goethe hat in seinen Tauberberger Elegien geschrieben, ich zitiere nach Hugo Emmanuel Eckerleins Gesamtausgabe 1834: Auch wenn ich verstund, was du gesaget hasst, so wünschte ich mir bitteren Herzens doch, es nicht verstunden haben, weil es nur dumm Gestammel war, bar jeden grammatique ordines. So weit des Germanischen Cheflektor.

Dieses Zitat fiel mir ein, als ich letzte Woche im schönen Lindau-Insel von einer Hauswand jenes Bildchen abzulichten die Freude hatte, das Sie oben sehen.

Dies Haus ist mein und doch nicht mein // Dem’s vor mir war, war’s auch nicht sein // Er ging hinaus, ich ging hinein // Nach meinem Tod wird’s auch so sein.

Und ersann Folgendes: Erstens irrt der Dichterfürst hier. Das Sinnsprüchlein nimmt grammatisch auf so wenig Rücksicht, dass ich trotz mehrmaligen studia desselben die Fehler nicht benennen kann. Und dennoch zog er mich an.

Zweitens stimmt der Spruch nicht, denn irgendeinem wird das Haus schon gehören, rein rechtlich.

Drittens darf er entweder als Sinnspruch der Hausbesetzer-Szene der Achtziger herhalten – oder als Abgesang auf das Geschäftsmodells der Immobilienbranche.

Und viertens ergibt das Verslein nach langem Denken durchaus einen Sinn: Wenn in christlicher Tradition jedes Haus als ein Haus Gottes gesehen wird. Da müssen sogar die Makler und die Hausbesetzer passen.

Das zum Wochenende Ihnen, es möge ein entspanntes werden. Aber ich schließe nicht ohne drei Hinweise…

(1) der obligatorische auf die Prüfung dieses sprachlich kruden Textes durch den Mentor.Duden am Ende.

(2) der organisatorische auf meine gedankliche Abwesenheit bis kommenden Mittwoch. Ich muss als Lektor ein Buch fertigstellen; ich finde die Zeit nicht zum Deutschmeistern.

(3) der faktenprüfende als Frage an Sie: Haben Sie mir den Spruch von Goethe abgekauft? Mal ehrlich! Die Tauberberger Elegien sind ebenso frei erfunden wie das Goethe-Zitat. Nicht mal ein wenig hellhörig geworden …?
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Nachtrag in Dudens Sache
Der Duden Verlag hat eine neue Seite im Internet, auf der jeder seine Texte auf Rechtschreibung und Grammatik überprüfen kann. Ich habe mit dem Duden vereinbart, hin und wieder meine Texte gegen diese Seite laufen zu lassen. Sie hört übrigens auf den Namen ω Duden.Mentor.

Ganz gut gelöst, wie ich finde.

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