Ma erinnern, was der Makak so makt

Oft genug, das wissen die treuen Leserinnen meiner kleinen, feinen, bisher nicht offiziell preisgekrönten Seite, schimpfe ich auf den Spiegel. Ich prangere mieses Deutsch an oder Themen, die so irrelevant, respektive RTL2ig sind, dass es der Sau graust. Oder sich der Affe drauf laust.

Das muss vorab gesagt werden, denn ich zeige Ihnen heute ein feines Beispiel dafür, dass der Spiegel es noch kann.

Mi Japanmakaken sollte man nicht Memory spielen

Erinnern(! Daran erinnere ich Sie am des Textes) Sie sich mal, da ist alles drin. Und: Es macht aufmerksam. Die Alternative Japanmakaken haben ein tolles Gedächtnis ist dagegen lahm. Hier gilt das, was Volontärs-Eltern gern lehren: Wenn Sie einen nicht-nachrichtlichen Text schreiben, soll die Überschrift den Leser richtig locken.

Das tut sie hier. Mir bleibt sie im Gedächtnis, und ich bin weder Japaner noch Makak (so der korrekte Singular)

Bravo!

Und nun zum Verb erinnern. Oder: Wie sich Amerikanismen einschleichen. I remember you, sagt der Ami, I remember that.

Und wir Deutschen machen daraus: Ich erinnere das. Das ist zwar nicht falsch, sagt der Duden (und ich widerspreche innerlich lauthals), sondern nur umgangssprachlich.

Erinnern Sie sich bitte daran, wenn ein Kollege das nächste Mal so einen Dummsinn verbal verbrennt: Erinnern wird nur mit sich ausgeliefert, ist also schwerst-reflexiv, und hat niemals ein Akkusativ-Objekt. Sätze wie Ich erinnere den Vorfall führen in Einzelfällen so weit (siehe Beitrag gestern), dass der gemeine Makak sein Gedächtnis verliert.

4 Kommentare zu "Ma erinnern, was der Makak so makt"

  1. Leif-Ove Murayama | 27. August 2019 um 15:01 | Antworten

    Da muss ich etwas einhaken. „Erinnern“ ist nicht ausschließlich reflexiv, sondern kann durchaus auch transitiv sein und ein Objekt im Akkusativ sowie ein Präpositionalobjekt regieren.
    Beispiel: Ich erinnere den Schreiber dieser Zeilen an etwas, das er sicher nur übersehen hatte.
    Nicht einmal das Präpositionalobjekt („an etwas“) ist unbedingt vonnöten, es reicht allein jenes im Akkusativ: Erinnere ihn morgen erneut!
    Das oben genannte Beispiel „Ich erinnere den Vorfall“ ist ebenfalls korrektes Deutsch – allerdings nur bei einem Anthropomorphismus von „Vorfall“, ansonsten ist es norddeutsche Umgangssprache. Bei „Ich erinnere das“ hilft selbst das Vermenschlichen nicht, diese drei Wörter sind eindeutig Umgangssprache.

    • Herr Murayama, Ihr Wort in allen Ehren, ich bin da viel strenger.

      • Leif-Ove Murayama | 27. August 2019 um 20:01 | Antworten

        Das kann ich nicht nachvollziehen. Inwiefern strenger? Was an den beiden von mir angeführten Beispielen oder etwa an „Die Frau erinnert den Fischer an seinen größten Fang“ ist falsch? Dass „Ich erinnere den Vorfall“ und „Ich erinnere das“ im Normalfall nichts in einem Text mit korrektem Deutsch zu suchen haben, weil die beiden Sätze nach dem reflexiven und nicht nach dem transitiven Verb „erinnern“ verlangen, ist aus meinen Zeilen herauszulesen gewesen. Darüber besteht also sicher Übereinkunft.
        Die transitive Verwendungsmöglichkeit des Wortes wird etwa auch auf Internetseiten wie canoonet (www.canoonet.eu/services/Controller?input=erinnern&service=canooNet&lookup=caseSensitive) oder Wiktionary (https://de.wiktionary.org/wiki/erinnern) erwähnt, und selbst im Wörterbuch der Brüder Grimm findet sich bereits ein entsprechender Eintrag unter erinnern, Punkt 1a: „mit acc. der person, gen. der sache: ich musz dich solchs teglich erinnern, dir zu gut […], also tröstet er sie und erinneret sie der glückseligen schlachten, die sie vor gethan hatten.“ Geändert hat sich seit den Brüdern Grimm nur, dass statt dem Genitivobjekt heute für gewöhnlich ein Präpositionalobjekt verwendet wird. Nicht geändert hat sich aber, dass „erinnern“ transitiv sein kann.

        • Ja, Herr Murayama, da besteht Übereinkunft. Ich beziehe mich auf Dudens Wörterbuch: ich erinnere ihn gut; das erinnere ich nicht. Da stickt mein Sprachgefühl. Den Fischer habe ich nicht angeprangert.

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