Mit(!)en in(!)s Gesicht

Ich gehöre zur Fraktion der konservativen Herren, die Boxen abstößt. Man sollte sich nicht öffentlich das Gesicht polieren, bitte. Aber das spielt hier keine Rolle. Im Ausschnitt, den ich am Montag meiner Lokalzeitung, der Nürnberger entnommen habe, präsentiere ich Ihnen eine sprachliche Unart.

Hier lesen wir …

Mit Leon Kerrelaj und Senol Kayaoglu ließen die jüngsten Boxer im Festzelt die Fäuste fliegen

Gut, wir sehen mal von der Floskel mit den fliegenden Fäusten ab. Die muss einem einfach ein-und gefallen.

Es geht mir um das satzeinleitende Mit.

Wo sind denn die anderen Boxer, die ich nach mit erwarte: Gemeinsam mit Ali und Mehmet ließen die jüngsten Boxer … (und nun müssten andere Namen kommen.) Sie sehen schon, das klemmt, das boxt nicht. Gleichwohl wird eine solche Konstruktion oft verwendet.

Dudens Lexikon lässt acht Lesarten der Präposition mit zu. Die Lesart, die nahe an dieser Verwandung ist, lautet: b) drüŸckt ein Einbezogensein aus; einschließlich; samt … Als Beispiel: mit mir waren es acht GŠäste. Aber das hakt, das hakt. Denn dann geht es immer um mehr Personen als angegeben.

Dabei wäre es einfach, diesen Satz weniger auffällig zu gestalten:

Auch die jüngsten Boxer Leon Kerrelaj und Senol Kayaoglu ließen im Festzelt die Fäuste fliegen

Ähnlichen Blödsinn, grammatisch durch nichts gedeckt, zieht umgangssprachlich manchmal die Präposition in im Schlepptau. In Ede Klemmwinkel und Hans Langdaumen zogen zwei erfahrene Knackis in ihre vertraute Behausung: die JVA Stadelheim. Upps, wer ist denn da noch eingezogen? Und wie und wo haben die Ede und Hans die anderen Ganoven versteckt? Oder wir lesen so, und das wäre korrekt: In Ede Klemmwinkel und Hans Langdaumen zogen eine Feile, ein Mobiltelefon und zwei Dosen Drops in ihre vertraute Behausung: die JVA Stadelheim.

Bei den acht Lesarten, die die Dudens für die Präposition in angeben, ist nicht mal eine zu finden, die auch nur annähernd …

Aber ich weiß ja, in Ihnen habe ich treue Leser, die meine Ansichten wertschätzen. Mit Hilde H. aus P. in der Lausitz und Gerd M. aus D. an der Düssel sogar zwei, die keinen Brief abschicken, ohne sich über sprachliche Kniffligkeiten via deutschmeisterei.de zu informieren.
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Nachtrag in Dudens Sache
Der Duden Verlag hat eine neue Seite im Internet, auf der jeder seine Texte auf Rechtschreibung und Grammatik überprüfen kann. Ich habe mit dem Duden vereinbart, hin und wieder meine Texte gegen diese Seite laufen zu lassen. Sie hört übrigens auf den Namen ω Duden.Mentor.

Ganz gut gelöst, wie ich finde.

 

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