Todesnah

Und alsobald wird das, was ich jetzt, Dienstag, 9:30 Uhr, vor der öffentlichen Bekanntmachung, schreibe, auch vom hochverehrten publico gelesen werden können zu allgemeiner Freude, wie ich als Schreiber zu hoffen wage.

Sie merken schon, das alsbaldig hat mich verzaubert. Sie lesen einen Abschnitt aus der Netzseite des Bayerischen Rundfunks, Thema: Sonntagsöffnung der Bäckereien.

Diese dürfen laut Gaststättengesetz zum „alsbaldigen Verzehr“ in solchen Bäckereicafés verkauft werden.

Über dieser, diese, dieses habe ich mich ω vor Kurzem ausgelassen. Das Bäckereicafé würde ich als Gefolgsmann der Binder-Schreibung Bäckerei-Café setzen.

Das alsbaldig aber gefällt mir. Ich bin sicher, ich werde zu meinen Lebzeiten dieses Adjektiv noch als „vom Duden gestrichen“ erleben. Die Herren und Damen Redakteure des gelben Buchs empfinden es jetzt schon als Papierdeutsch.

Zum eingangs gewählten alsobald fällt ihnen nichts Besseres ein als veraltet, noch altertümelnd.

Und für alsbald, also dem Adverb aus dieser munteren Gruppe, machen sie zwar keine Prognosen, aber sie führen gleich mal eine Reihe von Synonymen auf, die auf Dauer das Abverb überflüssig machen: augenblicklich, bald, demnächst, flugs, gleich, kurzfristig, nächstens, postwendend, prompt, schnellstens, sofort, umgehend, unmittelbar, unverzüglich.

So geht’s mit den Wörtern. Wobei wir es da oben mit dem Zitat aus einer Gesetzesvorlage zu tun haben. Ich bin sicher, die Juristen werden die letzte Gruppe sein, die das Wörtchen mit Asche und Staub belegen. Denn für alsbaldig gibt es gewiss genaue, karlsruhe- und revisionssichere(!) Definitionen, wie lang das denn sein darf. Ist alsbaldig dringender, Neudeutsch: zeitnäher denn bald?

Dieses Un-Adjektiv zeitnah, eine Erfindung des Stamms der BWLler, wird in der Liste der Dudens noch nicht aufgeführt. Meinen Dank. Es ist nichts als die Übersetzung dieses asap, as soon as possible. Etwa in: Könntest du bitte die sheets asap an den CEO forwarden?

Im neuen Universal-Wörterbuch, 9. Auflage, hingegen steht es schon, ebenso wie das Substantiv Zeitnähe, die: das Zeitnahsein. Geht es papierdeutscher, meine Herren?

Und übrigens: Stimme ich da gerade ein Loblied an auf die Kaste der Jurisprudenzler als Bewahrer des Deutschen?

Kommentar hinterlassen on ""

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

*Anzeige: Die Seite enthält Links zu mehreren Webseiten, auf denen Sie Bücher bestellen können. Hierbei handelt es sich um Werbung. In eigener Sache zwar, aber Werbung bleibt Werbung, weshalb ich Sie an dieser Stelle darauf hinweise.