In my own four wands

Ich habe geschwiegen, aus Respekt vor denen, die sich damit befasst haben. Als Vater, dessen Kinder schon vor Jahren mit ω Alice Cooper School’s Out gesungen haben, dachte ich: Halt mal Füße und Griffel still, in der angespannten Situation müssen Erzieher, Eltern und Lehrer nicht auch noch vom Spielfeldrand hören, dass Homeschooling einfach nur ein Mistwort ist.

Ende des Schweigens. Wenn jetzt jeder Doldi meint, irgendeine Errungenschaft aus Corona-Zeiten mit Home starten zu lassen, platzt mir der Kragen.

Homeshopping – haben wir schon seit den Achtzigern, als ein paar Fernsehkanäle Erdbeer- und Fußpilzschaber an den Mann und die Frau bringen mussten.

Homebanking – den steten Blick auf die Misere bei der Bank. Nur merkt es keiner.

Homewatching – wie anders sollte man es nennen, wenn man zu Hause den Fuß aufs Bänkchen legt, um nett zu flixen.

Homewindowing – die neue Art, von eigenen Fenster aus die Welt zu betrachten, oft in Kittelschürze und Missgunst. Nun aber schick, weil neuer Ausdruck.

Homedrinking – den Antrunk zur zweiten Flasche Asbach nach Feierabend muss ja keiner erleben, der nicht zur Homedrinking-Family gehört – und mitmacht.

Homepeeling – den Finger in den Öhrchen, Schmalzrestchen entfernend. Haben Sie das jetzt visuell abgespeichert? Danke! Auch benutzt als Homenosing. Ein feines, dieses Bild, nicht wahr?

Homers Ilias – danke, dass Sie mir folgen.

Homeducking – die Fähigkeit, Enten im eigenen Teich mit gebührendem Abstand zu kultivieren. Sehr beliebt derzeit, besonders bei der – Achtung, Granatenwitz! – Bildzeitung.

Homejogging – zu Hause leben wie auf dem Campingplatz, im Trainingsanzug und mit Maske.

Homelawning – den Rasen selbst mähen. Aber nur, wenn die Corona-Warn-App eingeschaltet ist. Ich merke gerade, Sie wussten gar nicht, was für moderne Sachen Sie so machen. Und Sie reden nur falsch darüber.

Und schließlich Homenoodeling, der Anfang von allem: Die irre Kunst, Pasta-Teig selbst durch allerlei Gerät zu drehen, dass es eine Homenoodlingpastaparty (zwei Familys maximal) der allercoolsten Art gibt. Danke, Spiegel, das muss mal gesagt und geschrieben werden. Und wieso bitte noodel mit E, wo es doch noodle heißt?

Einen habe ich noch: Homehoming – die Fähigkeit, ein neues Heim zu bauen vom Homeoffice-Platz des alten Heims, ohne auch nur einmal an der frischen Luft gewesen zu sein.

Ich mach jetzt Homewriting. Ende des Schreibens. Auf den Weg nach Hause, bitte.

 

2 Kommentare zu "In my own four wands"

  1. Elfriede Hartmann | 6. Juli 2020 um 11:33 | Antworten

    Schön, dass Sie zurück sind, Herr Lohmann. „was man braucht und was beachten muss“ . Gilt das „man“ etwa für beides? Gruß E.Hartmann

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