Die Welt à la carte

Es geht um Werbung, es geht um stinknormale Werbung für eine stinknormale Kreditkarte, für ein – sagen wir es deutlich – Massenprodukt. Wie wirbt man heute für eine Kreditkarte? Ich schlage vor: über den Preis. Die Superkarte kostet null Jahresgebühr, und Sie können auch am Ostersonntag auf den Osterinseln Osterinsel-Geld abheben – für nen Osterhasen und ’nen Ei (sic!)

Aber nein, die Firma Mastercard macht es anders, gesehen Mitte August am Flughafen Venedig.

Start seeing the world through fresh eyes. Start something priceless.

Ich übersetze mal: Fangen Sie endlich an, die Welt mit unverbrauchten Augen zu sehen. Starten Sie mit etwas, das keinen Preis haben kann!

Bitte was? Wenn ich mir eine Mastercard zur vorhandenen Visa zulege, sehe ich die Welt (hier: wohl der Blick auf das Chrysler Building in New York) mit neuen Augen?

Nein, es geht im Kleingedruckten um das Angebot, mit der Karte preiswerter zu sein als beim Geldtausch oder beim Abheben am Automaten. Also doch – Werbung via Geldbeutel. Nichts neue Sicht und Schischi und Tralala.

Denn: Was sagt mein Augenarzt dazu? Was mein Optiker? Was mein Psychotherapeut?

Und was sagt mein Hausarzt?

  • Wie – Sie wollen in diesen Zeiten nach New York? Können Sie sich so viele Corona-Tests leisten?
  • Ja, zahle ich mit der Mastercard …

Im Ernst, wie kann eine Weltfirma (und ja, Mastercard ist eine) sich einen solch gebügelten Dumpfsinn einfallen lassen? Es geht nicht um die Welt des Luxus und der Moden. Es geht um ein Stück Plastik, das jeder in Sackerl hat. Jeder.

Und wenn der Blick getrübt sein sollte, greife ich gewiss nicht zur Kreditkarte – sondern zum Psychopharmakon oder zur Flasche.

Ah, nun verstehe ich. Sie meinen, Sie Masters of the Card, man benötigt schon something very priceless, um sich diese Drogen für den frischen Blick auf die Dinge leisten zu können.

Und warum werben Sie dann mit einem Kind?

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