Ganz, ganz mies

Der HSV, mein HSV, spielt heute Abend und kann sogar die Tabellenführung in der Zweiten Liga übernehmen. Ein Grund für mich als – was diesen Verein anbelangt – Grundskeptiker, etwas bittere Soße in den Wein zu gießen. Vor ein paar Wochen suchte der HSV einen neuen Sponsor. Kein Wunder, die Fluggesellschaft Emirates thront sonst nur auf Vereinen, denen man den Sieg in der Champions League zutraute.

Die vereinseigene Netzseite kommentiert das Treffen zwischen den Vermarkter und den Führungskräften des Vereins mit folgenden Worten …

Dort wurde sich auf einen der drei verbliebenen Sponsoren-Kandidaten geeinigt.

Und Sie sehen leise dabei zu, wie sich mir bei einem solchen Satz, bei einer solchen Konstruktion, die Haare zu Berge parallel zu den Fußnägeln stellen.

Ja, ich habe Schnappatmung. Und da mögen Sie bitte nicht sagen, dass das noch allgemein verständlich, respektive auch durch die Grammatik gedeckt sei. Nein, eine solche Konstruktion ist einfach ganz, ganz mieses Deutsch.

Weil schon eine Passivkonstruktion mieses Deutsch ist. Ich sage manchmal, dass das Passiv sich nur gehört, wenn es um Momentaufnahmen aus dem Sadomaso-Keller geht. Das zum Eersten.

Zum Zzweiten: Weil das Passive mit dem Reflexiv mieses Deutsch ist … wurde sich geeinigt!

Und vor allem ist eine solche Konstruktion mies Deutsch, weil es so einfach wäre, den Satz anders zu gestalten.

Passivkonstruktionen nimmt man ja mit-unter, weil man den Handelnden, das Subjekt des Satzes, nicht kennt. Die Hilfskonstruktion laufen dann meist über das Wort man.

Man kennt den Handelnden nicht.

Beim HSV aber stehen die Handelnden in dem Satz zuvor: der Vermarkter und die Capos des Vereins.

Und darum wird sich hier ein Gedanke gemacht (Gruseleins), wie der Satz besser gebaut werden kann (Gruselzwei). Ich mache vor dem Spiel in Paderborn heute Abend einen Vorschlag zur Güte, liebe Freunde. Wie wäre es mit folgender Konstruktion:

Bei diesem Treffen haben sich der Vermarkter und die Bosse des HSV auf einen Sponsor geeinigt.

Dieser Satz lebt davon, dass er denkbar einfach ist, verständlich, nicht zu viele Wörter hat, und auch sonst glänzt.

Oder um eine Verbindung zwischen euch, Jungs, und mir herzustellen: Mit einfachen Sätzen schießt man Tore.

 

 

2 Kommentare zu "Ganz, ganz mies"

  1. Lieber Herr Lohmann,
    ich leide mit Ihnen, glaube aber zu wissen, wo solche Konstruktionen herkommen. Die Leute haben ja alle studiert und mussten eine Diplom- oder Bachelorarbeit schreiben.
    Ich kenne mich zwar mit den Geisteswissenschaften nicht so aus, da ich ein naturwissenschaftliches Fach studiert habe, nehme aber an, dass die Sprachregelungen für wissenschaftliche Arbeiten dort ähnlich sind: Die erste Person ist tabu, statt „Ich habe ermittelt…“ muss „Es wurde ermittelt…“ geschrieben werden usw. Wer sich selbst erwähnt, bekommt Punktabzug. Das ist wirklich so, ich habe es erfahren müssen. Über die Psychopathologie hinter diesem Dogma ließen sich ganze Bücher schreiben, aber das will ich gar nicht tun. Wir bleiben bei den Bachelorkandidaten der Journalistik, die plötzlich mit einem reflexiven Verb konfrontiert sind. Lässt sich die Sprachregelung davon erschüttern? Natürlich nicht. Es wird munter im Passiv weitergeschrieben, und dann entstehen Konstruktionen wie „Es wurde sich überzeugt, dass…“ Und wenn sie graduiert sind, machen sie das einfach weiter, denn der Professor hat es ja so gesagt, und die Diplomarbeitszeit war doch eigentlich eine schöne Zeit.
    Ist das eine glaubhafte Erklärung?

    • Wunderbar! Und weil wir das an der Unnität zwischen 20 und 25 gelernt haben, brauchen wir Leute wie mich, die denen mal hin und wieder was zwischen die Löffel geben. „Es wurde mir zwischen die Löffel gegeben. Es wurde sich mir erklärt, dass Passiv … iiibäääähhhh …“

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