Hintersinnig-elegant

Heute muss ich Ihnen gestehen, dass ich nur einen Teil der Quellenangaben liefern kann. Sie lesen einen Ausschnitt aus einem Buch von Jörg Maurer, aus einem der vielen. Aber ich weiß nicht genau, aus welchem. Und wer nicht Jörg Maurer kennt, dem sei dieser Autor wärmstens empfohlen. Ich halte ω Jörg Maurer für den ungewöhnlichsten Krimi-Autor dieses Landes. Er lebt in Garmisch-Partenkirchen, seine Werke spielen da. Sie sind immer hervorragend geschrieben und auf eine wunderbare Art und Weise sehr skurril.

Doch nun zum Thema. Jörg Maurer schreibt …

… wärmten sich nun am verschmitzt knisternden Feuer.

Mir fällt so ein Satz sofort ins Auge, weil meine Kunden, meine Autoren, gerne so etwas schreiben wie: verstört um sich schauen … suchend um sich blicken  … zustimmend nicken … Beifall heischend nach vorne gehen … ratlos eine Tür öffnen. So was halt.

Ein Verb aufladen mit einem manchmal hilflosen Adverb. Ich schreibe dann daneben, dass sie schreibfaul sein. Sie verbinden zwei Handlungen miteinander: In einem Fall das Blicken und das Suchen, in anderen Fall das Nachvornegehen bei gleichzeitigem Wunsch, Beifall zu bekommen. So einen Quatsch halt.

Wolf Schneider hat mal einen zitiert, einen großen Chefredakteur – ich meine, es war Theodor Wolf Wolff–, der gesagt haben soll: Wenn Sie ein Adjektiv oder ein Adverb verwenden wollen, lassen Sie es sich bitte von mir in dreifacher Ausfertigung schriftlich genehmigen. Bravo!

Zurück zum Satz von Jörg Maurer. Natürlich knistert jedes Lagerfeuer. Man muss das nicht eigens erwähnen. Und wie bitte knistert ein Lagerfeuer, wenn es verschmitzt knistert? Darf es auch zerknirscht knistern oder lautmalend knistern? Oder gar …

  • hoffnungsfroh
  • aufreibend
  • schweißtreibend
  • erholsam
  • winterwürdig
  • sonnensüchtig?

Sie sehen, wenn ein überlegen formulierender Autor so etwas zu Papier bringt, freut man sich. Wahrscheinlich kommt genau ein einziger Mensch auf der Welt auf die Idee, knistern mit dem Adverb verschmitzt zu vermählen. Ich gebe zu: Mir gefällt es.

Aber was hätte ich gemacht, wenn einer meiner Autoren mit einer derartigen Formulierung käme?

Ich hoffe, ich hätte die Größe, hintersinnig-elegant zu loben.
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In eigener Sache
Liebe Leserinnen und Männer, Sie sind gewohnt, meinen täglichen Sermon um 10 Uhr, freitags um 11 Uhr vorzufinden. Das schafft Verlässlichkeit in dieser schweren Zeit, in der man nicht mal mehr weiß, ob man zu Tante Friedas Käsekuchen ins Krisengebiet Tuchtelhaus-Ost gefahrfrei reisen kann, ohne von der Bundeswehr begleitet zu werden. Meinem Lebensrhythmus passt es von sofort an besser, auch an normalen Werktagen, montags bis donnerstags, erst um 11 Uhr aufwarten zu dürfen. Ich weiß, Sie haben dafür Verständnis.

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