Ist das Sprache oder kann das weg?

Liebe Leserin, lieber Leser, heute lass ich Sie mit Freuden über meine Schulter auf meine tägliches Brot am Schreibtisch schauen: den Umgang mit Texten. Den Text, den Sie im Bildchen sehen, habe ich nicht bearbeitet, aber er zeigt ganz gut, welche Stufe eines vermeintlich bearbeiteten Textes in mein Kontor flattert – ich nehme so etwas nicht mehr an. Das kann keiner wirklich bezahlen, wenn ich meinen Beruf ernst nehme. Und das tue ich; nie verdiente ich mein Geld auf angenehmere Art und Weise.

Disclaimer: Also halten wir fest, bevor irgendein Anwalt mir ins Leben pfuscht: Text nicht von mir bearbeitet, Text fremd, Text lediglich exemplarisch ausgewählt, ohne jemandem zu nahe treten zu wollen. So etwas nennt man heutzutage disclaimer.

Die Hauptsache an dieser Text ist das tiefe Misstrauen in das Verb. Das Verb, lieber Autoren, aber auch Autorinnen, ist das Herzstück eines jeden Satzes. Ist das Verb gesund, kann der Satz nicht krank sein. Also suchen wir zunächst einmal nach dem passenden Verb, dem einzigen für diesen Satz, den wir gerade bilden wollen. Und im Notfall schmeißen wir einen ganzen Absatz noch einmal um, weil die Verben nicht passen. Ja, das tun wir. Und wir sind nicht verliebt, bitte, in irgendwelche Superkonstruktionen, die wir vorher erfunden haben.

Weil wir also den Verb misstrauen, müssen wir es ergänzen. Die Verb-Ergänzung nennt man in der Regel Adverb – und sollte in der Regel einfach gestrichen werden. Nach dem Ende meiner Tätigkeit als deutschmeisterei-de-Schreiber, am 30. Juli des nächsten Jahres, werde ich eine Petition starten, die generell den Einsatz von Adverbien bestraft – bei Wasser und Brot.

  • Wenn einer etwas so nebenbei tut, tut er es immer gedankenverloren.
  • Und die Süßigkeiten zerplatzen nicht im Mund so ganz normal, nein, sie platzen krachend.
  • Wenn einer etwas plötzlich einfällt, siedet immer die Hitze – wahlweise hier: urplötzlich. Es gibt ja durchaus eine Steigerung von plötzlich.
  • Und wenn jemand etwas nicht gemächlich tut, wenn er es irgendwie nicht so tut, wie Sie oder ich es tun würden, muss es natürlich mit einem Adverb versehen werden, hier: hastig, aber auch abrupt, aber auch … ach, was … was auch immer!

Und nun schauen wir uns doch einmal an, um was es wirklich geht. Wir retten nicht die Welt vor irgendetwas, wir gehen auch nicht dringend für einen armen Corona-Patienten einkaufen. Nein, wir werfen zwei Süßigkeiten ein – übersehen dabei die falsche Schreibung stellen dann aber fest, dass es die Eigenschreibweise ist – und springen plötzlich auf, weil wir noch Geschenke kaufen müssen.

Das ist alles.

Ach ja, und zwischendurch haben wir der Sprache keinen Gefallen getan.

Und ich ergänze mal ein paar Klassiker aus meiner Praxis:

  • Zustimmend nicken
  • fragend ansehen
  • suchend um sich blicken.

Und da fällt mir ein: In meinem nächsten Leben werde ich ein Programm entwickeln, das über die Tastatur Stromstöße vertreibt, wenn jemand solchen Unsinn schreibt. Ich sehe, dass Sie zustimmend nicken … auaaaaa!

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