Die Suchmaschine namens Hupf

Neulich in der Metro gewesen, liebe metropolitanen Konsumentinnen meines täglichen Blogs. Dann den Katalog mitgenommen und zu Hause das gefunden, was Sie jetzt im Bildchen sehen: den Guglhupfmaker. Und gleich mehrfach gestutzt, beschlossen, den Guglhupfmaker nicht zu kaufen, aber diese Werbung zu verbreiten.

Denn diese Werbung ist aus mehreren Gründen einfach eine, die zu diesem chaotischen Jahr passt. Eine Werbung wie 2020: einfach streichen und zum neuen Jahr übergehen.

  • Erstens der Guglhupfmaker macht keine Guglhupfs, sondern irgendein Back-Gebäck, das aussieht wie Donuts.
  • Zweitens ist natürlich der Begriff Guglhupfmaker in seiner Zusammenstellung von süddeutsch-österreichisch-schweizerischer Küchenpoesie und amerikanischem Word-Dumpf-Sense eine Zumutung.
  • Drittens, und jetzt wird es etwas kompliziert, ist der Begriff Mini laut Duden so nicht einsetzbar. Er wird nicht geführt als Substantiv, das sich mit einem anderen Wort koppeln lässt.
  • Viertens täuscht auch der Begriff Mini vor dem Wort Guglhupf nicht darüber hinweg, dass der keine Guglhupfs wachsen lässt.
  • Und fünftens hat sich die backende Nona oben links in Bildchen auch noch ein apostrophiertes Genitiv-S angehängt, um auch den letzten Deutschlehrer aus der Metro zu vertreiben.

Und sechstens reicht mir das für heute. Aber für diese Überschrift werde ich Sie auch noch Weihnachten um Nachsicht bitten. Die musste sein …

2 Kommentare zu "Die Suchmaschine namens Hupf"

  1. Leif-Ove Murayama | 1. Dezember 2020 um 13:52 | Antworten

    Zum ersten Punkt: Die Unterseite gleicht tatsächlich einem US-amerikanischen Schmalzkringel. Das ist mir vorher gar nicht aufgefallen. Die andere zeigt dafür eindeutig die Konturen eines Gugelhupfs. Doch hat der Gugelhupf eine bestimmte Größe. Wie ein Gugelhupf lässt sich sein winziger Nachahmer somit nicht genießen, und damit ist dieser auch keiner. Punkt.
    Der dritte Punkt lässt mich in der Tat etwas stutzen. „Mini“ muss hier gar kein Substantiv sein. Ich dachte hierbei an das Präfix, das etwas sehr Kleines beschreibt und sich mit diversen Substantiven verbinden lässt: Minibar, Minigolf, Minichip. Warum sollte „Mini“ hier ein Substantiv, also entweder ein sehr kurzer Rock oder ein britisches Auto, sein? Der Duden meint ebenfalls, von der Existenz dieses Präfixes zu wissen: http://www.duden.de/rechtschreibung/Mini_

    Ich führe Ihre Liste gern fort:
    * Sechstens ist der „Guglhupf“ eine bissige österreichische Kabarettsendung von anno dazumal mit Lore Krainer, Herbert Prikopa u. a. Den Gugelhupf mag man „Guglhupf“ aussprechen, liebe Marketingabteilung, die diese Werbung auf dem Kerbholz hat, dennoch schreibt man ihn mit e. Wikipedia und diverse Kochbücher widersprechen dem zwar, aber selbst das Österreichische Wörterbuch pflichtet hierzu bei und nennt wie der Duden keine e-lose Nebenform.
    * Siebtens benötigt der Plural von diesem „Kunstwerk aus Teig und Rosinen/Jedem Österreicher g’fallt’s/Doch es braucht, um Geschmack zu gewinnen/Auch ein kleines bisserl Salz“ – um das Titellied des „Guglhupfs“, das ich immer noch auswendig kenne, zu zitieren – ein weiteres e. Er lautet „Gugelhupfe“.
    * Achtens: „7 Min“: ausgezeichnetes Deutsch. Es geht kaum besser. Wie kann man das falsch schreiben? Wenn man schon „Minuten“ partout nicht ausschreiben möchte, muss man das auch nicht. Es gibt schließlich Abkürzungen von Maßeinheiten, in dem Fall: „min“. Sogar eine zweite Möglichkeit bietet das Deutsche: „Min.“ Aber nein, die für dieses Produkt zuständige Werbeabteilung entscheidet sich für „Min“. Für jemanden mit gediegenen Kenntnissen in deutscher Sprache war wohl kein Geld vorhanden.
    Mit dem Auftreten der Ziffer „6“, obwohl sie im Deutschen für gewöhnlich ausgeschrieben wird, gibt es bezüglich dieser Vermutung jedoch zumindest ein Gegenargument. Entgegen einem sich hartnäckig haltenden Gerücht steht es jedem Anwender frei, die Zahlen von eins bis zwölf auszuschreiben oder mit Ziffern zu notieren. Letzteres halte ich hier sogar eindeutig für besser, denn die Betonung in diesen beiden Zeilen liegt auf den beiden Zahlen: So viele („6“) in so geringer („7“) Zeit. Die vom restlichen Text abweichende Schreibweise der Ziffern sorgt für eine größere Herausstellung selbiger. Auch für alle Pedanten, die dem Gerücht aufsaßen, sei dieses gelungene Abweichen von der Norm somit erwähnt.
    * Neuntens: Wer bei Datumsangaben „von“ oder „vom“ schreibt, sollte auch „bis“ schreiben. Hier einen Bindestrich zu verwenden ist inkonsequent. Und damit sind wir gleich bei …
    * Zehntens: Wenn schon ein Strich zwischen zwei Zahlen steht, dann ein Gedankenstrich, aber kein Bindestrich, noch dazu mit zwei Abständen. Freilich muss man das nicht so genau nehmen, da bei Werbung die Ästhetik oft mehr als die Akkuratesse bezüglich Satzzeichen zählt.
    * Elftens: Die uneinheitliche Schreibweise aus Punkt neun begegnet uns rechts unten erneut: Zunächst wird der Preis mit dem Eurozeichen vor der Zahl geschrieben, danach fehlt es aber stets. Gut, ich kaufe den Tand für einen Zettel mit „46,39“ darauf. Und weil ich so großzügig bin, schreibe ich „+ 1“ dazu. Zufrieden? … Wie bitte? Nein? Gut, jetzt wisst Ihr bei der Metro wie es uns mit Eurem Gebrauch von deutscher Sprache geht.

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