Leinen los!

Ich gestehe, dass ich als Katholik die Karikatur da oben wirklich witzig finde. Übrigens: als Mensch auch. Ich muss bei meiner Geburt (und darum, im Allgemeinen, geht es heute) ein Stück zu wenig vom Blasphemie-Mutterkuchen ausgespuckt haben. Ja, in dieser Woche und ja, in diesen Zeiten, diesen fürchterlichen, darf man so etwas. Alles, das einen erheitert, ist erlaubt. Ich nähere mich dem Thema des Tages mal anders. Denn es soll nicht um Karikaturen zu Weihnachten gehen, sondern um Sprache.

Stellen wir uns Folgendes vor: Die sprachbegabte Heilpraktikerin Susanne P. schreibt in ihrer WhatsApp-Gruppe:

Töchterchen Juttah-Claudine hat heute eine gesunde Sarah-Evengaline entbunden.

Ich frage Sie dann: In welchem Berufsfeld tummelt sich Töchterchen Juttah-Claudine?

Ist sie …

  1. ebenfalls Heilpraktikerin
  2. Traktoristin in der Kolchose Ernst-August Thäl-Mann in Bautzen
  3. irgendwie im geburtshelferischen Bereich tätig
  4. Influencerin und Bloggerin im Sektor Vornamensgebung?

Nun sind Sie dran! Haben Sie eine Ahnung?

Ich helfe Ihnen mal, um im Bild zu bleiben, aus der Windel. Wenn man abends bei Gynäkologen eingeladen ist (so war es bei mir am Samstag), erfährt man unter anderem , dass nicht etwa die Mutter ein Kind entbindet, sondern der Geburtshelfer. Wenn also ein Kind entbunden wird, darf das nur, auch sprachlich, jemand aus dem geburtshelferischen Fach tun. Darauf legt die Branche großen Wert.

Die Mutter, das gequälte Wesen, empfängt ein Kind – bekommt ein Kind – bringt ein Kind zur Welt – presst eifrig … oder was auch immer. Aber entbinden kann nur geschultes Personal. Oder das fürchterliche Passiv.

Emily-Josefine wurde von Noah Frederique entbunden …

geht ebenfalls.

Ich greife mal wieder zu meinem Lieblingsbuch, dem Duden, und zitiere, nachdem ich natürlich auf die Etymologie des Verbs entbinden verwiesen habe: Irgendjemand unterbindet die Versorgung durch die Nabelschnur; das Kind wird von der Nabelschnur entbunden.

Dann aber kommt der Duden knallhart: „einer Frau Geburtshilfe leisten: eine Frau entbinden; sie ist von einem gesunden Jungen entbunden worden (sie hat einen gesunden Jungen mit Geburtshilfe zur Welt gebracht).“

Nichts mit: Ich habe heute Noah Frederique entbunden.

Und nun entbinde ich Sie von der Aufgabe, sich weiter mit diesem Text zu beschäftigen. Es wird wohl noch einer am Dienstag folgen, also morgen, und am Mittwoch. Dann muss ich mal sehen, was da in der Krippe los war und für Ordnung sorgen.

Nachtrag, einen Tag später: Mit viel Freude habe ich Ihren schönen Weihnachtstext gelesen. Eine Anmerkung aber noch von mir: Das Kind wird nicht entbunden, sondern die Mutter wird vom Kind entbunden! Nur falls irgendwelche Gynäkologen oder sonstige Schlaumeier (außer mir) den wunderbaren Text noch lesen sollten. Also ganz einfach: Das Kind wird geboren, die Mutter wird vom Kind entbunden.

So, jetzt hammas! Danke an die Gyn-Fraktion …

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