Oh, du pan(!)ne Welt

Liebe Leute, liebe Fernseher, liebe Freunde der Massenunterhaltung, hier: Abteilung ultimative Shows. Wir schauen mal leicht und locker in das Fernsehprogramm, das die „Süddeutsche Zeitung“ für den 18. Dezember dieses Jahres anbot. Und wir schauen auf die Spalte RTL, ich wusste gar nicht, dass es diesen Sender noch gibt.

Dort steht … ich schnappatme vor Neugierde …

Doch mit der weltweiten COVID-19-Pandemie kam es anders.

Ehrlich? Wer hätte das gedacht!

Liebe Leute von der „Süddeutschen Zeitung“, wir greifen jetzt mal ganz tief in die Sprach-Kiste und machen den Unterricht Erste Klasse Gymnasium für Mittelfranken.

Wenn eine Krankheit das ganze Volk betrifft, nennen wir sie Epidemie. „Eine Grippe-Epidemie ist unterwegs. Sie geht von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen.“ Ich hatte zwar nie das Vergnügen, Griechisch zu lernen, aber das weiß ich noch: Eine Epidemie seucht sich so durch das Land. Und zwar nur durchs Land.

Schwappt sie aber von Bayern, beispielsweise, rüber nach Österreich – wir wissen heute, dass es, Ischgl sei Dank!, in die andere Richtung lief – und dann auch nach Dänemark, Timbuktu und Luang Prabang, machen wir also den Faktor weltweit aus, reden wir von einer Pandemie. Die griechische Vorsilbe pan steht hierbei für alle umfassend, grenzenlos, die ganze Welt betreffend.

Pan, das lernen Sie jetzt, steckt also auch in Panther, Pantoffel, Pan Tau, Panama (Exil aller Tigerenten weltweit) Panzerechse, Panade, Panaché, Panorama, Panflöte, Pandabär, Pangasius (Fisch, oft verseucht(!)), Pankraz, Schutzpatron der Eisheiligen (siehe Eskinos, weiter unten), und natürlich im Paniermehl für das Allumfassende, das im Wortsinne das All Umfassende. Jeden dieser Begriffe gibt es auch am Kilimandscharo, in Schweden oder Wuhan, China.

Einzige Panne(! noch so einer) in dieser feinen Liste: Die Panflöte gibt es fast ausschließlich auf Volksmusikkanälen und in Rumänien, wo sie ein Peter Pan erfunden und als Erster bespielt hat. Und gewiss gibt es in der Arktis relativ wenig Panther, aber der gemeine (Vorname) Eskimo (Nachname) Inuit kennt sie mit Gattungsbegriff, um sie nicht mit dem panarktischen Eisbären (so geht der Dativ zu Meister Petz … laut ω korrekturen.de) zu verwechseln.

Und was bitte lernen wir dann, wenn das tägliche Zentralorgan der klugen Leute dieses Landes von einer weltweiten Pandemie schwafelt? Und was lernen wir, wenn ein anderes schlaues Organ aus Bayern es auch nicht besser macht? Rechts ein Ausschnitt von der Seite des Bayerischen Rundfunks, eigentlich ein feiner Auftritt, wie ich als täglicher Leser weiß. Wir lesen den Klageruf des Landrats aus Miesbach, Tegernsee und Umland, Herrn von Löwis, gestern …

Aber wir stecken mitten in einer weltweiten Pandemie!

Abgesehen davon hat der Herr mit seiner Klage recht. Ein Großteil der Bayern südlich des Mains sind mit der Brennsupp’n gepudert, wenn es um ihren pangegenwärtigen Hedonismus geht. Ja, die haben einen an der Pfan(!)ne! Ein Sonnenstrahl am Himmel und nicht in die Berge? Wir haben ein Menschenrecht! Es gibt keine Parkplätz? Pflügen wir mit dem SUV in die Wies’n! Oder wir stellen die Straßen zu. Sechs Stunden Anreise für 65 Kilometer? Schmarrn, wir haben doch Bayern3 im Auto und Standheizung!

Rein sprachlich aber lernen wir, wieder mal, dass man jedes Adjektiv auf die Goldwaage legen soll. Hier hätte schon ein einfaches Nachdenken genügt, um weltweit von Pandemie zu trennen, vielleicht sogar durch eine kleine Hirn-Impfung.

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