Thermo-Nix

Heute befasse ich mich mit meinen heimlichen Freunden und Freundinnen, den Werbern. Sie wissen, dass mich diese Sorte Mäuse besonders beschäftigt und immer wieder erfreut, wenn sie auf irgendwelchen dummen Wegen an mich heranzukommen versucht.

Gestern traf es mein E-Mail-Postfach. Ich wurde ausgesucht, nach einem langen Reifungsprozess wahrscheinlich, mich dazu hinreißen zu lassen, einen Thermomix zu gewinnen, respektive gewinnen zu wollen.

Ihre Teilnahme …

heißt es in der Überschrift des Pöstchens. Als hätte ich mich schon mal angemeldet, bevor es all die Barbaras, 43, aus Castrop-Rauxel tun.

Thermomix? Sie wissen schon: dieses Gerät, bei dem man zwei Bananen und ein Glas Mineralwasser zu zwei abgewetzten Roten Beten in eine digital komplett durch- und vor allem vorgrammierte Schüssel wirft und erwartet, dass schnittlauchpürierter Erdbeer-Pfannkuchen auf Foie-Gras-Basis aus der Röhre kommt.

Folglich ein Gerät, das ich dringend brauche. Ich lese mal vor …

… gewinnen Sie mit ein wenig Glück vielleicht …

Glück und vielleicht? Da hätte doch das Wort gewinnen ausgereicht, oder? Grammatisch gesehen: Irrealis VII.

… machen Sie mit und der Thermomix steht möglicherweise schon bald …

Und noch mal der Irrealis VIII.

Nun schwadronieren sie heillos drauflos.

Die Anmeldung ist kostenfrei.

Unter uns, ihr Werberinnen, das letzte Mal, dass ich für die Teilnahme an einem Gewinnspiel ungefähr fünfzig Euro bezahlt habe, war kurz vor dem preussisch-nigerianischen Endspiel um die Darts-Weltmeisterschaft 1873. Seither nicht mehr.

Sie erhalten weitere interessante Angebote.

Jetzt drohen sie einem noch.

Und dann noch einmal das Granaten-Argument, sich an dieser Daten-Abzocke freiwillig zu beteiligen …

100% Gratis mitmachen

Gratis groß? Na ja, was soll man da erwarten. Was soll man erwarten außer einen mit Sicherheit eher länger wie Regenprozess längeren Verifikationsprozess (verbessert nach freundlichem Leserhinweis) bei der Anmeldung, in dem am Ende nur ein Gewinner feststeht: die Werber, die neue Daten von Ihnen haben.

Ich brat mir jetzt nen Eis!

10 Kommentare zu "Thermo-Nix"

  1. Hab mal wieder meinen Besserwisser-Tag heute (sorry):

    „Machen Sie schnell bei der Verlosung mit und der Thermomix steht möglicherweise bald schon in Ihrer Küche.“

    Bei diesem zitierten Text hätte ich auch schon das fehlende Komma bemängeln können.

    Und nun mache ich mich auch noch vollends unbeliebt und gestehe, dass ich diesen Satz überhaupt nicht in mein Alltags-Deutsch übersetzen kann:

    „Was soll man erwarten außer einen mit Sicherheit eher länger wie Regenprozess bei der Anmeldung (…)“.

    Sind’s schon die Corona-Folgen?

    • Lieber Herr Horak, danke, das war merkwürdig. Da hat Siri doch tatsächlich den diktierten, dann aber verbesserten Text wieder aus den Tiefen des Thermomix gezogen. Und was das Komma anbelangt: Das darf da ungesetzt bleiben, sagt mein Thermo-Dude. Und dann frage ich mich ernsthaft, was ich mit Ihrer Schlussbemerkung anfangen soll. Was hat Corona mit Schusseligkeit und Unaufmerksamkeit zu tun? Ich schätze Sie als sachlichen Kritiker … Punkt

  2. Es geht noch immer um: „Machen Sie schnell bei der Verlosung mit und der Thermomix steht möglicherweise bald schon in Ihrer Küche.“

    Ich habe mal gelernt, dass vor „und“ unter anderem dann ein Komma gehört, wenn es sich (links und rechts des „und“) um zwei vollständige Hauptsätze handelt.

    Gilt dies nicht mehr? Woher bezieht Ihr Thermo-Dude seine Informationen?
    Ist er gar zertifiziert? 😉

    Beste Grüße aus dem hohen Norden

    Peter

    • Kommaregel D105, ich darf zitieren: Bei gereihten Hauptsätzen, die mit solchen Konjunktionen verbunden sind, darf hingegen ein Komma gesetzt werden: Nimm das Geld[,] oder lass es bleiben. – Anna liest die Zeitung[,] und Otto löst ein Kreuzworträtsel. Das Komma, so schließt mein Dude daraus, ist fakultativ. Ich setze es nur, wenn einer der beiden kommaverbundenen Teile komplexer ist als ein mageres Sätzchen.

      • Peter R. Horak | 19. Februar 2021 um 9:52 | Antworten

        Danke für die Erläuterungen. Ich habe daraufhin den neuesten Duden einmal befragt, der Ihre Auskunft bestätigt. 😉

        Dennoch habe ich mal in meinem Duden-Archiv (ja, so etwas habe ich) nachgeschlagen und finde dort in der Rechtschreibung-Ausgabe von 1961 😉 auf Seite 25 im Abschnitt D, 1 f. mein ehemals Gelerntes auch wieder.

        Aber bereits in der Ausgabe von 1966 wird die Bestimmtheit dieser Regel schon etwas abgemildert…

        Nun ja, Sprache ändert sich eben – genau wie ihre Regeln…
        Und wie sagte mal ein guter Freund: „Der Duden ist auch nur eine Meinung in Printform!“.

        So, nun lasse ich es gut sein.

        Peter

        • Na, sehen Sie. Ich schrübe beispielsweise: Herr Lohmann hat auf seiner deutschmeisterei.de einen Fehler gemacht (KOMMA) und Herr Horak hat daraufhin in seinem Duden nachgeschaut, der, publiziert im Jahr des Mauerbaus, eine gänzlich andere Meinung vertritt als seine Nachfolger, die in der Zeit rund 30 Jahre nach der Maueröffnung das Licht der Öffentlichkeit, das oft gescheut wird, erblickten. Begründung: komplexer Satz nach dem Komma.

  3. Danke übrigens für „Ich schätze Sie als sachlichen Kritiker … Punkt“.
    Ich freue mich sehr über Ihren unaufgeregten und humorvollen Blog. Das tut gut…

    Peter

  4. Ergänzen möchte ich noch den abrupten Wechsel zwischen Dutzen und Siezen:
    „Gewinne einen Thermomix“
    vs.
    „…gewinnen Sie mit ein wenig Glück…“

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