Endscheu jour miel, kits!

Um es gleich deutlich zu sagen: Ich glaub das nicht. Ich glaube nicht an das Ergebnis dieser Umfrage. Ich glaube vielmehr, dass sehr viele Deutsche sich mit dem Englischen in unserer Sprache abgefunden haben – es ist ihnen gleichgültig. Oh yeah! Warum dann ein solches Ergebnis zustande kommt?, fragen Sie den diplomierten Meinungsforscher in mir.

Meine einzige hautnahe Erfahrung mit Meinungsforschung – dann aber auch sehr, sehr hautestnah – stammt aus den Neunzigern, wenn die Zeitschriften, die zu machen ich die Freude hatte, in die Marktforschung gingen, um herauszufinden, auf der Grundlage welcher objektiv ermittelten Fehler man den Chefredakteur am schnellsten in die Wüste schicken kann – wüste Zeiten!

Beim Marktforschen lernte ich: Menschen geben sehr oft sogenannte sozial gewünschte Antworten. Die meinen das gar nicht so. Nie im Leben würden sie kleine Kinder schlagen oder Hunde treten oder beim Autofahren nasebohren, wenn man sie fragt. Heimlich tun sie es. Es nicht zu tun, ist sozial gewünscht.

Oh yeah! Cool, ihr readers! Lassen wir die Marktforschung einfach an uns vorübergehen und greifen wir ein Beispiel aus dem deutschen Alltag, aus meinem Nürnberger Alltag. Das zeige ich Ihnen gerne.

Wir reden von einer Kita. Diese Kita preist sich auf einer eigenen Internetseite an. Das ist heute Standard. Eine Kita ohne Internetseite wäre schlimmer als eine ohne Landeplatz für den elterlichen Helikopter.

Wir sehen, was die so bieten, alles sehr verständlich bis auf einen Begriff.

F & B

Ich habe dieses Bildchen gestern gefunden und fünf Leute gefragt aus meinem beruflichen und privaten Umfeld, ob sie mit dem Begriff F & B etwas anfangen können. Keiner! Da klappt die Marktforschung.

Keiner!

F & B ist der Fachausdruck der Experten und der BWLler für Food and Beverage, für Speis und Trank. Und nun sagen Sie mir bitte, wie eine solche schräge Abkürzung, eine ausländische noch dazu, auf die Seite einer Kita kommt. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht.

Es kann nur eine Begründung geben oder zwei: Speisen und Getränke hätte nicht in die eine Zeile gepasst, die die Grafik den Textern angeboten hat. Da ist F & B natürlich kürzer …

… Speis und Trank übrigens auch. Ernährung ebenfalls.

Eine andere Ursache: Der Elternvertreter ist gelernter Koch, Ausbildungsstätte: San Francisco. Oder Nürnberger Bratwursthersteller. Da reden die so.

Oder die Kita möchte ganz schnell klarmachen, schon am Startpunkt ihrer wunderbaren Seite, dass für die Ein- bis Dreijährigen auch das Englische gepflegt wird: Rodscher-Sebästiän, did you endscheu jour miel? – Yes, sister Änna, ω ze otmiel was delischies.

Und da es hier eingangs ja um die Frage der Akzeptanz des Englischen in unserer Sprache ging: Dieser Unsinn kann nun überhaupt nicht akzeptiert werden, weil F & B vielleicht maximal so viele Leute auf Anhieb verstehen, wie bisher geimpft worden sind. Erschreckend wenig.

 

5 Kommentare zu "Endscheu jour miel, kits!"

  1. Vorweg: Ich stimme der Grundaussage des Artikels zu.

    Ihre erste Begründung für die merkwürdige Formulierung „F & B“ wird es wahrscheinlich treffen.

    Doch hier melde ich allerdings Zweifel an der Zeichensetzung an: „Warum dann ein solches Ergebnis zustande kommt?, fragen Sie den diplomierten Meinungsforscher in mir.“

    Ansonsten: Ich habe lange (von Hamburg aus) in Nürnberg gearbeitet und geliebt – und kann Ihre ein oder andere Spitze auf die Nürnberger Lebenswelt nachvollziehen.
    😉

    Peter

    • Na, dann mal her mit Ihrer Zeichensetzung …

      • Ich habe zwar keine passende Duden-Regel zur Hand, doch sagt mir „mein (Schreib-)Gefühl“, dass dieses Fragezeichen mitten im Satz dort nicht hingehört. Zumal dann noch ein Komma mit anschließender Kleinschreibung folgt.

        Und nun zitieren Sie bitte nicht Loriot!

        Peter

        • „Ich suche Ihnen mal die Regel raus.“ Ist das vom Meister?
          Die Regel heißt D11: Wenn nach dem wörtlich wiedergegebenen Text der Begleitsatz (übergeordnete Satz) folgt oder weitergeführt wird, setzt man nach dem schließenden Anführungszeichen ein Komma < § 93>.
          ZUM BEISPIEL „Sie fahren sofort nach Hause!“, befahl er.
          Sie rief: „Weshalb darf ich das nicht?“, und sah mich wütend an.
          Als er sagte: „Das war ja wohl eine Schnapsidee!“, wurde ich sehr verlegen.

  2. Ja, *dann* wird ein Schuh draus!
    In dem Ihrigen Text allerdings haben Sie *keine* Anführungszeichen gesetzt. Daher die Verrwirrung, sonst wäre es richtig.

    Nein, das Loriot-Zitat, welches ich meinte, war: „Denn stimmt eben mit Deinem Gefühl etwas nicht!“
    Kennen Sie bestimmt…

    Peter

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