Neues aus der Klangschale

Liebe Freunde der deutschen Sprache, liebe Freundinnen der gepflegten Unterhaltung. Wie Sie wissen, versuche ich immer, Sie an einem Freitag auf eine besondere Art und Weise zu erbauen, vielleicht sogar: zum Schmunzeln zu bringen. Heute sollte das Schmunzeln ungefähr vierzehn Tage halten, da ich erst nach Ostern wieder in die Tasten der deutschmeisterei.de greifen werde.

Sie finden wieder mal den Auszug eines Textes, den zu lektorieren ich die Freude hatte. Alle Hinweise auf Autor und Buch sind getilgt.

Dieses Beispiel für die Anwendung eines Korrektuprogramms ist insofern sehr überraschend, als dass man dem Programm keinen Vorwurf machen kann. In dem wunderbaren Beispielsatz sind nämlich beide Möglichkeiten nicht nur grammatisch richtig, sondern auch logisch denkbar.

Er schöpfte sich eine Schale Gemüsesuppe und schlang sie in sich hinein …

So stand es im Original, so ergibt es auch im Zusammenhang des Textes durchaus einen Sinn, vgl. auch die Sammlung der Homonyme am Ende).

Die Lesart des Duden-Korrektors unter dem Autoren-Programm Papyrus ist eine andere, jedenfalls im Vorschlag: Mache einfach aus dem Substantiv Schale ein Adjektiv. Oder: Mache aus der leckeren Suppe eine fade Brühe!

Ist Ihnen jemals klar geworden, dass Schale und schal zwar nicht derselben Etymologie folgen, aber demselben Klang. Das zum Thema – Sie sehen diesen Scherz nach – Klangschale.

Wir wenden uns mal vom müden Wortwitz ab und Deutsch-Phänomenen zu. Denn dieses Beispiel eignet sich wunderbar, um den Begriff Homonym zu erklären. Homonym ist natürlich volles Griechisch und heißt soviel so viel wie gleichlautend. Homonyme sind Wörter die gleich lauten (und natürlich im besten Falle auch gleich geschrieben werden, aber verschiedene Bedeutung haben. PS: Und wieder lernen Sie nebenbei etwas: Duden möchte gleichlautend verbunden wissen, dass Verb gleich lauten hingegen getrennt geschrieben. Da verstehe einer die Welt!

Ich aber wende Ihren Blick mal auf die Schale und das dazugehörige Adjektiv, die gewiss – ich habe das nicht überprüft –  etymologisch nicht mal den Hauch einer gemeinsamen DNA aufzeigen. Sie klingen einfach gleich. Und da wir gerade – noch ein genialer Wortwitz zum Übergang! – beim Verb klingen sind, klinken wir uns bei den Wikingern ein. Die hatten eine Defensivwaffe, die der Schild genannt wurde, männlich, Plural: Schilde.

Ich wende Ihren Blick jetzt mal an den nächsten Kreisverkehr vor Ihrem Haus. Und was kündigt den Kreisverkehr an? Ein Ding, das sich das Schild nennt. Und Sie haben Zeit, diesem Homonym Genus und Plural-Bildung anzuhängen. Achtung, ich frage Sie ab nach Ostern!

Ihnen eine erholsame, sonnige, gesunde Zeit!

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Homonyme, die nicht alle nennen (Liste wird bis nach Ostern immer wieder ergänzt)

Hau drauf! (Aufforderung am Boxring) vs. Haudrauf (Charakter-Klassifikation)

Merz (Kanzleranwärter-Kandidat) vs. März (aktueller Monat)

Granate (Frau mit Pfiff) vs. Granate (Waffe mit Pfiff)

Maske (modisches Accessoire der Zwanzigerjahre) vs. Maske (Hautschutz durch Kosmetikerinnen)

Brille auf der Nase vs. die unterm Hintern.

Entgleisung (wg. Lokführer am Smartphone) vs. verbaler (Sie Möchtegern-Lukas von einem Lokomotivführer, Sie!)

Buße (katholisch) vs. Buße (Knöllchen)

Bude (zum Verkauf von Souvenirs und Bier im Stadion) vs. Bude (Sportmoderatoren-Deutsch für Tor im Stadion)

Schiff (Kreuzfahrer-Behausung) vs. Schiff (Teil einer Kirche für Fahrten zum Kreuz)

Nagel (Ding, mit dem man das nächste Beispiel an der Wand befestigt) vs. Nagel (Körperteil, auf den man beim befestigenden Hämmern besonders achten soll)

Spiegel (Wand-Dings zum Reinschauen) vs. Spiegel (Gemüse-Dings auf dem Teller unterm Fleisch)

Bett (Ding mit Matratze) vs. Bett (wie Spiegel, Teller-Dings)

Regen (Himmels-Wasser) vs. regen (sich zu, bringt Segen)

Himmel (Sternenort) vs. Himmel (fehlt im Auto nur bei Cabrios)

Pool (zum Baden) vs. Pole (Position beim Rennen) vs. Pole (Stange zum Tanzen)

Lampe (Ding mit Schnur und Licht) vs. Lampe (Meister, Freund von Fuchs beim Gutenachtsagen und Gegner vom Igel beim Rennen)

Astra (Vakzin für 60plussige) vs. Astra (Bier für alle) vs. astra (per et ad, Angeberdeutsch für: interstellar reifen)

Bar (Ort für Hochprozentiges) vs. bar (Euro-Scheinchen)

Rahmen (Bildumrandung) vs. Ramen (japanische Nudelsuppe, vgl. Text oben)

Flies! (Aufforderung, sich endlich um die Verschönerung des Bades zu kümmern) vs. Vlies (Stoff, manchmal ω golden, macht dann Tiere sprechen)

Kuli (Schreibgerät mit Mine) vs. Kuli (Tagelöhner in Mine)

ausgefallen (Geschmack) vs. ausgefallen (Zug, Haar)

Bikini (Atoll) vs. Bikini (auch toll)

Urlaub (liegt mal wieder an) vs. Urlaub (liegt schon seit Menschengedenken)

Bedacht (vorsichtig und nachdenklich handeln) vs. bedacht (das Haus nach oben absichern gegen Witterungseinflüsse)

Morgen (Tageszeit) vs. morgen (der kommende Tag) vs. Morgen (Tageswerk-Angabe für Landwirte)

Flur (von dem Zimmer abgehen) vs. Flur (und Wald und auf der Heide)

Rat (zum Geben) vs. Rad (zum Treten)

Hasenfuß (in dem steckt ein Viertel der Antriebskraft des Tieres im Lauf gegen den Igel) vs. Hasenfuß! (Anwurf der Charakterschwäche im Kampf gegen den Igel)

Schnee (einmal aus Wolken) vs. Schnee, mal durch die Nase

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