Mach zu!

Sie wissen, ich liebe Wortspiele und an so einem kann ich nun überhaupt nicht vorbeigehen. Das ist richtig gut. Da darf man auf den ersten Blick auch über die Fehler hinwegsehen, die hier auf die Schnelle gemacht werden könnten. Ich beginne diese Woche also mit einem schönen Spruch (den man nach dem Stand der Aerosolforschung auch für Außenbereiche der Gastronomie bedenken sollte) und stürze Sie gleich ins Nachdenken zur Frage, ob das alles mit rechten Dingen zugeht, also mit dudengerechten. Und bevor ich es vergesse: Schauen Sie ruhig mal ans Ende dieses Textes. Dort hat sich bei der Suche nach Homonymen einiges getan, Neues in Rot.

Am ersten Satz gibt es nichts auszusetzen. Der ist auch einfach. Darüber legen wir einen Schwamm und trinken mit dem Wirt einen feinen Weißwein aus Lanzarote.

Bei der Frage des Richters ob die Tür geschlossen war, erheben wir Einspruch. Duden empfiehlt bei der Verbindung von offen und stehen (Tür, Mund) die Getrenntschreibung. Gut, Duden empfiehlt das nur. Sie können auch zusammenschreiben.

Machen wir es einfach: Wenn Sie sperrangel vor offen denken können, wenn also etwas wirklich auf ist, schreiben Sie besser getrennt. Reden Sie aber mit ihrer Bank und die sagt: Da stehen noch ein paar Posten offen, so sind das offenstehende Posten.

Wir lassen es für sie offenstehen, diese Posten zu begleichen. Vielleicht gehen Sie raus in unseren Park, der sollte heute für alle Schuldner offenstehen.

Sie sehen schon: Einfach ist das nicht. Haben Sie bitte ihren Duden immer bereit. Geht es denn damit?

Offengestanden ist das die einzige Möglichkeit.

Und wieder haben Sie falsch getippt. Hier ist der Duden unnachgiebig. Ich darf zitieren: Getrennt schreibt man üblicherweise die adverbialen Fügungen offen gesagt und offen gestanden.

Üblicherweise, so muss man anmerken, ist das ziemlich vertrackt. Offen gesagt bin ich der Meinung, dass auch der Herr Duden mit seinem Werk unter dem Kopfkissen ins Bett geht und solch diffizile Differenzierung selbst nachschlagen muss. Spaßfrei ist diese Differenzierung sowieso.

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In eigener Sache
Sehr unterhaltsam dagegen war’s am Wochenende. Ich habe neue Homonyme sammeln können und mache damit weiter. Schauen Sie unten in die Tabelle, alle neuen Homonyme habe ich in Rot gehalten.

Zur Erinnerung Die deutschmeisterei.de wird nach exakt zehn Jahren am 29. Juli zum letzten Mal erscheinen. Bis dahin möchte ich die größte private Sammlung von Homonymen im deutschsprachigen Netz zusammengestellt haben. ω Wikipedia hat derzeit noch mehr. Hey, aber was ist Wikipedia die Intelligenz meines Schwarms? Diagnose: machbar. Das geht natürlich nur mit Ihrer Hilfe und mit Aufrufen in anderen Medien.

Zur Erklärung Homonym ist natürlich volles Griechisch und heißt so viel wie gleichlautend. Homonyme sind Wörter die gleich lauten (und natürlich im besten Falle auch gleich geschrieben werden), aber verschiedene Bedeutungen haben.

Ich fordere Sie also auf: Schicken Sie mir Homonyme. Ich werde sie veröffentlichen, wenn Sie wünschen sogar mit Namensnennung.

____________________DIE HOMONYME____________

  1. Hau drauf! (Aufforderung am Boxring) vs. Haudrauf (Charakter-Klassifikation)
  2. Merz (Ex-Kanzleranwärter-Kandidat) vs. März (aktueller Monat)
  3. Granate (Frau mit Pfiff) vs. Granate (Waffe mit Pfiff)
  4. Maske (modisches Accessoire der Zwanzigerjahre) vs. Maske (Hautschutz durch Kosmetikerinnen)
  5. Brille auf der Nase vs. die unterm Hintern.
  6. Entgleisung (wg. Lokführer am Smartphone) vs. verbaler (Sie Möchtegern-Lukas von einem Lokomotivführer, Sie!)
  7. Buße (katholisch) vs. Buße (Knöllchen)
  8. Bude (zum Verkauf von Souvenirs und Bier im Stadion) vs. Bude (Sportmoderatoren-Deutsch für Tor im Stadion; siehe Punkt 46, Laden)
  9. Schiff (Kreuzfahrer-Behausung) vs. Schiff (Teil einer Kirche für Fahrten zum Kreuz)
  10. Nagel (Ding, mit dem man das nächste Beispiel an der Wand befestigt) vs. Nagel (Körperteil, auf den man beim befestigenden Hämmern besonders achten soll)
  11. Spiegel (Wand-Dings zum Reinschauen) vs. Spiegel (Gemüse-Dings auf dem Teller unterm Fleisch)
  12. Bett (Ding mit Matratze) vs. Bett (wie Spiegel, Teller-Dings)
  13. Regen (Himmels-Wasser) vs. regen (sich zu, bringt Segen)
  14. Himmel (Sternenort) vs. Himmel (fehlt im Auto nur bei Cabrios)
  15. Pool (zum Baden) vs. Pole (Position beim Rennen) vs. Pole (Stange zum Tanzen) (siehe Kommentarspalte vom 17. April 2021 )
  16. Lampe (Ding mit Schnur und Licht) vs. Lampe (Meister, Freund von Fuchs beim Gutenachtsagen und Gegner vom Igel beim Rennen)
  17. Astra (Vakzin für 60plussige) vs. Astra (Bier für alle) vs. astra (per et ad, Angeberdeutsch für: interstellar reifen)
  18. Bar (Ort für Hochprozentiges) vs. bar (Euro-Scheinchen)
  19. Rahmen (Bildumrandung) vs. Ramen (japanische Nudelsuppe, vgl. Text oben)
  20. Flies! (Aufforderung, sich endlich um die Verschönerung des Bades zu kümmern) vs. Vlies (Stoff, manchmal ω golden, macht dann Tiere sprechen)
  21. Kuli (Schreibgerät mit Mine) vs. Kuli (Tagelöhner in Mine)
  22. ausgefallen (Geschmack) vs. ausgefallen (Zug, Haar)
  23. Bikini (Atoll) vs. Bikini (auch toll)
  24. Urlaub (liegt mal wieder an) vs. Urlaub (liegt schon seit Menschengedenken)
  25. Bedacht (vorsichtig und nachdenklich handeln) vs. bedacht (das Haus nach oben absichern gegen Witterungseinflüsse)
  26. Morgen (Tageszeit) vs. morgen (der kommende Tag) vs. Morgen (Tageswerk-Angabe für Landwirte)
  27. Flur (von dem Zimmer abgehen) vs. Flur (und Wald und auf der Heide)
  28. Rat (zum Geben) vs. Rad (zum Treten)
  29. Hasenfuß (in dem steckt ein Viertel der Antriebskraft des Tieres im Lauf gegen den Igel) vs. Hasenfuß! (Anwurf der Charakterschwäche im Kampf gegen den Igel)
  30. Schnee (einmal aus Wolken) vs. Schnee, mal durch die Nase
  31. umfahren (Passant überlebt) vs. umfahren (Passant stirbt); mit Verlaub: der Klassiker
  32. abgedreht (um die Ecke gebogen) vs. abgedreht (verschroben)
  33. modern (Stadium vorm Schimmeln) vs. modern (zeitgeistig sein wollen)
  34. Abführmittel (Magen) vs. Abführmittel (ω Handschellen, runde Acht, Polizeijargon) mit Dank an Markus Krebs
  35. gerissen (Schaf) vs. gerissen (Geduldsfaden) vs. gerissen (Tat-Moral vor Einsatz des Abführmittels)
  36. Drossel (Vogel) vs. drossel! (Imperativ als Aufforderung zur Tempoverlangsamung)
  37. verfahren (ohne Navi unterwegs) vs. verfahren (Situation) vs. Verfahren (mit Richter)
  38. Messe (sonntags) vs. Messe (Verkaufsausstellung) vs. messe! (Aufforderung eines grammatikfernen Elektrikers, den Zollstock zu holen)
  39. Zinken (mit dicker Nase markieren) vs. zinken (die Asse markieren)
  40. Pfeife (zum Rauchen) vs. Pfeife (zum Musizieren) vs. Pfeife (Du Versager!)
  41. Party (feiern) vs. Partie (mit von derselben sein, wenn man reich einheiratet)
  42. Mühle (klappert am rauschenden Bach) vs. Mühle (die Falle klappt auf dem Brett zu)
  43. Fliege (fliegt wild rum) vs. Fliege (fest am Hals) vs. Fliege (Mach! dieselbe …)
  44. Flamme (im Kamin) vs. Flamme (Angebetete vor dem Kamin)
  45. Schimmel (wiehert) vs. Schimmel (stinkt schon)
  46. Laden (Geschäft) vs. laden (Gewehr) vs. Laden (vor dem Fenster) vs. Laden (Tor, der Hüter desselben bekommt ein paar in den Laden, siehe Punkt 8. Bude)
  47. Ladenhüter (ukrainischer Türsteher vor Juweliers) vs. Ladenhüter (Resterampe)
  48. Säule (riesig dorisch) vs. Säule (klein, schwäbisch, schweinisch)
  49. Pute (Tier im Gras) vs. Pute! (Ausruf)
  50. Gras (Tierauslauf) vs. Gras (zum Rauchen!)
  51. Bank (zum Sitzen) vs. Bank (fürs Moos)
  52. Moos (auf der Bank) vs. Moos (unterm Baum)
  53. klamm (ohne Moos) vs. klamm (feucht) vs. Klamm (Engschlucht-Gebiet, oft feucht) vs. clam (lateinisch für heimlich, siehe ω Etymologie am Fuß des Beitrags)
  54. Dame (Eleganz) vs. Dame (Spielkarte) vs. Dame (Spielfigur) Dame (Spiel)
  55. Erde (Planet) vs. Erde (darin blüht’s im Garten) vs. erde! (dich. Aufforderung, mit den Füßen auf der Gartenerde zu bleiben)
  56. Milchglas (schaut man nicht durch) vs. Milchglas (ist Milch drin, schaut man auch nicht durch)

Fallen Ihnen Homonyme ein oder auf oder ab? Dann schicken Sie mir eine E-Mail an schreiber at deutschmeisterei.de.

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