Bei Lesen erfolgt eine Geistes Erhellung

Man darf sich manchmal wundern, warum Kommunikation überhaupt noch klappt. Wenn man das Gestammel mancher Zeitgenossen liest, fragt man sich, wie überhaupt etwas zustande kommt, das da heißen könnte: Ich habe etwas zu verkaufen. Brauchst du es? Mit diesen beiden Sätzen ist eBay großgeworden, wahrscheinlich weltweit die umfangreichste Plattform, auf der Menschen ungeschützt Schriftliches von sich geben müssen.

Wir klatschen erst mal bei Fall, weil die tabellarische Aufstellung oben bruchfrei über die Bühne ging. Und ich vermute stark, dass man hier nur etwas in eine vorgefertigte und vorgetextete Tabelle eingeben musste. Ich glaube, so etwas gibt es bei eBay.

Aber dann …

… tiefreien Nichtraucher Haushalt …

als Tief-Punkt. Viel erhellender ist der Rest auch nicht. So sieht es aus, wenn man einfach drauflos schreibt. Diskutieren möchte ich darüber nicht. Ich glaube, es ist sinnfrei.

Oben habe ich oben geschrieben, dass Kommunikation so nicht funktioniert. Das ist ein Fehler. Denn vielen fällt nicht auf, was da schiefläuft und schief läuft. Insofern funktioniert Kommunikation auch auf diesem Niveau. Weil Sender und Empfänger wissen, dass tierfreier Nichtnichtraucherhaushalt gemeint ist. Bei eBay augenscheinlich eine bekannte Grüße.

Stattdessen lieber was Frisches, Wortgewandtes, Erhellendes. Und am Ende eine kleine Meisterleistung …

 

__________ 10 TAGESFRISCHE HOMONYME __________

  1. Canvas (Leinwand-Art) vs. Kann was! (Wie man einen lobt …)
  2. geschnitten (Messer in Haut, Blut …!) vs. geschnitten (diese Erwartung kann ich nicht erfüllen; da haste dich geschnitten!)
  3. Schnitte (im Norden oft eine Scheibe Brot) vs. Schnitte (macht modisch die Frisörin, aber auch die Friseuse) vs. Schnitte (mit dem Messer in die Haut) vs. Schnitte (im Ruhrgebiet eine Ehrenbezeichnung für eine Frau: „… das ist meine Schnitte“). Mit Unterstützung von Klaus H., wird aber nach Göttingen nicht für einen Vier-Spänner reichen
  4. Heer (Sammlung von Truppen) vs. hehr (Adjektiv für guten Absichten-Menschen und Ideen)
  5. Trog (Schweinchen fressen daraus) vs. trog (das macht der Schein manchmal in der Vergangenheitsform). Mit Dank an Klaus H.
  6. absehen (auf etwas verachten) vs. absehen (etwas vorhersagen)
  7. Alpaka (obersausüßes Lama-Ähnliches mit Wolle und Walt-Disney-Potenzial und mit Schmusewunsch entzückter Eltern) vs. Alpaka (Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink). Und wieder was gelernt; Dank an Julia L.
  8. Masche (gelingt beim fröhlichen Stricken oder Häkeln) vs. Masche (geht als Trick mit böser Absicht durch, wird aber oft durchschaut)
  9. Singvogel (wie der Name schon sagt) vs. Singvogel (unter Ganoven petzen? Kann übel enden)
  10. Rotkehlchen (Singvogel aus hellster Kehle) vs. Rotkehlchen (wird vom Capo als Singvogel identifiziert und endet leicht stranguliert mit Merkmalen am Hals)

Ich habe die Homonyme abgekoppelt von den täglichen Geschichten. Ich werde nur noch 10 Homonyme pro Tag neu erscheinen lassen. Stand heute: 701. Das Haupt-Homonyme-Geschehen finden Sie auf einer eigenen Seite mit der URL https://www.deutschmeisterei.de/homonym_total/ oder auch ω Homonyme_total.

__________ Die Liste mit dem Holzauge am Ende  __________

Und dann gibt es, ersonnen von Klaus H. mit meinem fettesten Dank, eine Liste von 53! (50 plus 3) Redewendungen im Deutschen mit „Auge“ – sozusagen auf Augenhöhe. Das kann ich Ihnen nicht vorenthalten. Zeigt nur, wie vielfältig diese Sprache ist.

  1. Körperteile
  2. Triebansätze an Pflanzen, z.B. der Kartoffel;
  3. Werte bei Würfeln, Spielkarten
  4. Auge des Sturms
  5. Das Auge des Gesetzes
  6. Das liegt im Auge des Betrachters
  7. jemandem gehen die Augen auf (eine bittere Erfahrung machen)
  8. jemandem gehen die Augen über (durch einen Anblick überwältigt sein)
  9. sehenden Auges etwas tun (trotz erkannter Gefahr)
  10. das Auge beleidigen (von der Ästhetik her;  nett am Auge sein)
  11. Augen wie ein Luchs haben (scharf sehen können)
  12. die Augen schließen (sterben)
  13. beide Augen zudrücken (nachsichtig etwas übersehen)
  14. ein Auge riskieren (einen verstohlenen Blick auf jmd./etwas werfen)
  15. ein Auge für etwas haben (das richtige Verständnis für etwas haben)
  16. keine Augen im Kopf haben (nicht aufpassen)
  17. kein Auge zutun (nicht schlafen können)
  18. jemandem die Augen öffnen (jemanden darüber aufklären, wie unerfreulich etwas in Wirklichkeit ist)
  19. sich die Augen ausweinen/aus dem Kopf weinen (sehr weinen; aus dem Klagelied Jeremias 2, 11)
  20. jemandem etwas an den Augen ablesen (die unausgesprochenen Wünsche des anderen von allein erkennen)
  21. jemandem etwas aufs Auge drücken (salopp: jemandem etwas [Unangenehmes] aufbürden)
  22. jemanden, etwas nicht aus den Augen lassen (jemanden, etwas scharf beobachten)
  23. jemanden, etwas aus dem Auge/aus den Augen verlieren (die Verbindung mit jemandem verlieren, etwas nicht weiterverfolgen)
  24. nicht mehr/kaum noch aus den Augen sehen können (umgangssprachlich: sehr müde, erschöpft, mitgenommen sein) geh mir aus den Augen! (geh weg!, lass dich hier nicht mehr blicken!)
  25. jemandem, einander Auge in Auge gegenüberstehen (jemandem, einander ganz nahe gegenüberstehen)
  26. etwas im Auge haben (etwas im Sinn haben, vorhaben)
  27. jemanden, etwas im Auge behalten (jemanden beobachten, etwas verfolgen)
  28. in jemandes Augen (nach jemandes Ansicht)
  29. jemandem ins Auge/in die Augen fallen/springen (auffallen)
  30. jemandem ins Auge/in die Augen stechen (umgangssprachlich: jemandes Wunsch wecken, es zu besitzen)
  31. jemandem zu tief in die Augen gesehen haben (sich in jemanden verliebt haben)
  32. etwas ins Auge fassen (sich etwas vornehmen)
  33. einer Gefahr ins Auge sehen (einer Gefahr mutig entgegentreten)
  34. ins Auge gehen (umgangssprachlich: schlecht enden, üble Folgen haben)
  35. in jemandes Augen steigen/sinken (bei jemandem an Ansehen, Achtung gewinnen, verlieren)
  36. mit einem lachenden und einem weinenden Auge (teils erfreut, teils betrübt; wohl nach Shakespeare, Hamlet I, 2)
  37. mit offenen Augen schlafen (umgangssprachlich: 1. [oft als Vorwurf an jemanden gerichtet] nicht aufpassen und daher etwas nicht wissen oder wahrnehmen, was unangenehme oder nachteilige Auswirkungen haben kann. 2. dösen.)
  38. mit einem blauen Auge davonkommen (umgangssprachlich: ohne großen Schaden, glimpflich davonkommen)
  39. etwas, jemanden mit anderen/neuen Augen [an]sehen/betrachten (mit einem neuen Verständnis betrachten)
  40. jemanden, etwas mit den Augen verfolgen (jemandem, einer Sache genau zusehen, aufmerksam hinterherblicken)
  41. jemanden, etwas mit den Augen verschlingen (umgangssprachlich: mit begehrlichen Blicken ansehen)
  42. jemanden mit den Augen ausziehen (umgangssprachlich: jemanden voll sexueller Begierde ansehen)
  43. etwas nicht nur um jemandes schöner blauer Augen willen tun (nicht aus reiner Gefälligkeit tun)
  44. Auge um Auge, Zahn um Zahn (Gleiches wird mit Gleichem vergelten; nach 2. Mose 21, 24)
  45. unter vier Augen (zu zweit, ohne weitere Zeugen)
  46. jemandem nicht [wieder] unter die Augen kommen/treten dürfen (bei jemandem unerwünscht sein, nicht wieder erscheinen dürfen)
  47. jemandem wird [es] schwarz vor [den] Augen (jemand wird ohnmächtig)
  48. vor aller Augen (in der Öffentlichkeit; öffentlich)
  49. jemandem, sich etwas vor Augen führen/halten/stellen (jemandem, sich etwas deutlich zeigen, klarmachen)
  50. jemandem vor Augen schweben (jemandem deutlich ins Bewusstsein treten)
  51. die Augen waren größer als der Magen (jemand hat sich mehr auf den Teller getan, als er essen kann)
  52. in diese Suppe schauen mehr Augen hinein als heraus (umgangssprachlich scherzhaft: sie ist sehr dünn, wenig gehaltvoll)
  53. aus den Augen, aus dem Sinn (was man nicht mehr sieht, das vergisst man leicht)
  54. das Holzauge (es soll besonders wachsam sein, sagt der Chef des Blinden-Verbands) (der kommt von mir …)

4 Kommentare zu "Bei Lesen erfolgt eine Geistes Erhellung"

  1. Peter R. Horak | 1. Juni 2021 um 11:02 | Antworten

    Moin,

    das verstehe ich nicht: »Weil Sender und Empfänger wissen, dass tierfreier Nichtnichtraucherhaushalt gemeint ist«.

    Okay, »tierfrei« kann man noch ergänzen. Weshalb aber »Nichtnichtraucherhaushalt«?

    Versteh noch einer die Welt…
    😉

  2. Mann Pedder,
    wenn man diesem Blog schon länger gefolgt ist, weiß man: Wenn der Meister tippt, sind die Finger manchmal flinker als das Auge.

    Also ja, einmal „Nicht“ ist zuviel. Aber das sollte man gedanklich überreißen können und die Welt dennoch verstehen.😎

    • Immer froh, wenn einer exekutiert ;-), während der andere exegiert 😉 Tatsache ist: Ein Nichtnichtraucherhaushalt ist einer, in dem zwei ehemaliger Raucher nicht mehr rauchen und auch zornentbrannt klopfen, wenn 20 Meter tiefer einer an eine Zigarette denkt.

  3. Peter R. Horak | 1. Juni 2021 um 12:22 | Antworten

    Na ja, Klaus,

    der Meister überschrieb seinen Artikel doch mit »Bei Lesen erfolgt eine Geistes Erhellung«. Ich hingegen hätte da eher von einer »Geistes-Verwirrung« gesprochen.

    Aber gut, wir alle sind diese Temperaturen ja nicht mehr gewöhnt (hier gerade fast 20°C).
    😉

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

*Anzeige: Die Seite enthält Links zu mehreren Webseiten, auf denen Sie Bücher bestellen können. Hierbei handelt es sich um Werbung. In eigener Sache zwar, aber Werbung bleibt Werbung, weshalb ich Sie an dieser Stelle darauf hinweise.