Liebesbrieflein an die Falsche

Eine von den netten Geschichten, die Netzstreunern wie mir in die Hände fallen. Die Dame Claudia (Nachname: …mit C, Du Arsch …) hat also eine Nacht mit einem Klaus verbracht. Nun bereut sie bitterlich, und ihre Bereuen gießt sie, wohl Lehrerin, in die Korrekturen in den Brief von Klaus.

Ist der Brief echt? Kam die Netzgemeinde hier in den Genuss einer lustigen Intimität zwischen Deutschlehrerin und Klaus (Nachname: … die war nicht groß!)? Mal wieder etwas, das das Netz ausspuckt zu aller Beteiligten Peinlichkeit? Würde Klaus, wenn er denn echt wäre, einen solchen Brief nicht in die Tonne treten?

Würde er, voller Würde. Denn wäre sie wirklich (Deutsch)-Lehrerin, hätte sie in der Tat Klausis Minne-Gestolper mit Pädagogensicht durchflöht, wäre ihr mehr aufgefallen. Fazit: Nett zu lesen, aber mies gefälscht.

Begründung 1… seid/seit… Da darf ich auf den Eintrag in diesem Blog verweisen. Sie hat die falsche Schreibung von seit/seid übersehen.

Begründung 2… schwanger mit ein Kind … ist ein prima Pleonasmus, eine überflüssige Sinndoppelung. Wie kann den eine Lehrerin übersehen? Schwanger mit was sonst? Mit Gedanken?

Begründung 3 … Gott-sei-dank! … würde eine Lehrerin nie mit den Bindestrichlein schreiben.

Begründung 4 … mit meinen Freunden sprach ich über dich (Komma) und die waren begeistert … Lieber Fälscher, liebe Frau Lehrerin, natürlich muss zwischen dich und und ein Komma stehen – … die waren begeistert ist ein ganzer Satz mit Subjekt und Prädikat!

Begründung 5 … wenn wir uns wiedersehen … Das ist kein Fehler. Wiedersehen wird zusammengeschrieben*. 

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Non scolae … Unterm Strich was fürs Leben
* Ich zitiere einfach den Duden, kurz und prägnant: einen alten Bekannten wi̲e̲dersehen; aber: Der Blinde konnte nach der Operation wi̲e̲der se̲hen. Oder: Wenn wir uns wieder einmal sehen … Ist doch klar, oder? So wie zusammenschreiben zusammengeschrieben wird. Es sei denn, man schreibt etwas im Team, also zu zweit: Sie schrieben diesen Brief zusammen. – Den Brief haben wir zusammen geschrieben.

4 Kommentare zu "Liebesbrieflein an die Falsche"

  1. Nicht viel Worte:Begründung 4 stimmt nicht.

    • Danke für den Hinweis, Herr Muster. Darf ich dazu die gängige Meinung eines Besseralsichwissenden zitieren: „… so möchte ich Ihnen gerne mitteilen, dass in
      neuer Rechtschreibung die Kommasetzung im fraglichen Fall freigestellt ist. Ich würde allerdings auch empfehlen, hier das Satzzeichen zu setzen…“

  2. Ein Blog mit Feedback ist ein guter Blog. I like (Anglizismus angelehnt ans Gesichterbuch).
    Ich werde dem Blog weiter folgen. Allein schon, um hin und wieder die Ehre von virtuellen und erfundenen Grundschullehrerinnen mit Prollfreunden zu retten. Auch wenn ich auf eine glänzende Rüstung gern verzichte.

    Ach trotzdem bleibt Begründung 4 falsch. 🙂

    „… liebe Frau Lehrerin, natürlich muss zwischen dich und und ein Komma stehen … “

    Muss eben nicht.

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