Über den guten Imperativ – ohne S und T …

Dieses Zettelchen fand ich als Kleinanzeige in Facebook. Zunächst fiel mir das Binnen-Majuskel-Wort SportsLounge auf. Das hat man heute so in KleinAnzeigen auf der FaceBookPlattForm, die BinnenMajuskel. Man spart damit BindeStrichlein (-), die ja immer teurer werden im Duden und im Internet (Preissteigerungsrate für Bindestriche von 2002 bis heute: 102 Prozent, helau!), man spart Zeit beim Tippen – und überhaupt. Die sind einfach schick. Keine WerbeAgentur der Neuzeit kommt ohne sie aus. Nun auch das HotelKöniger, das feine (wo immer das ist, was immer das ist …).

Wahrscheinlich fiel mit die AnZeige auch nur auf wegen des BinNenmajuskeLs. Und wahrscheinlich reise ich deswegen jetzt in deren SportsLounge, von der ich annehme, dass sie nichts ist außer einem BarRaum mit Sky-fähigem Fernsehgerät, um Solidar Tschenstochau gegen Securita Varna zu sehen.

Dann fällt natürlich auf, dass der harte Einsatz in der Sports Lounge (korrekte Schreibweise!) den Blick trübt auf die Schreibweise des Imperativs von treffen. Triff! Triff!* Nicht Treff! Treff geht nur als Binnen-Majuskel-Wort oder Binnenmajuskel-Wort (korrekte Schreibweise!) in SeniorenTreff oder im Senioren-Treff (korrekte Schreibweise!), wobei der Ausdruck Treff sehr umgangssprachlich ist.

Ebenso Humbug: Das Auslassungszeichen, der Apostroph, beim Imperativ von freuen, freu! Der Imperativ von freuen heißt nun mal freu! und nicht freue! – folglich ist da auch nichts auszulassen! Ergänzung: Ich gebe zu, dass die Weihnachtszeile Freue, freue dich, oh Christenheit da für allerlei Verwirrung sorgen kann. Sprachkorrekt ist sie nicht.

Das schreibt Ihnen jemand, der gestern Abend noch auf die Frage, was denn das für ein Geräusch gewesen sei, antwortete: Ich habe genossen! Um dann sofort zu dudeln … Aber darüber schreibe ich in dieser Woche noch etwas.
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Non scolae … Unterm Strich was fürs Leben
* Dabei ist die Sache mit der Imperativbildung so einfach. Wir nehmen ein Verb, zum Beispiel das Verb nehmen. Wir bilden von nehmen die zweite Person Singular im Präsens. Ich nehme – du nimmst – er nimmt … Die zweite! Also: du nimmst. Dann streichen wir von dieser Form die Buchstaben S und T wieder weg: nimmst. Und denken an das Ausrufezeichen, das wir daransetzen. Nimm! Das probieren wir nun noch einmal mit geben. Ich gebe – du gibst – gibst.  Gib! Herrschaftszeiten, das ist eine der wenigen Regeln ohne Ausnahme! Das ist immer so!

Nun, nicht wirklich immerimmer. Starke Verben, deren Beugung mit einem Umlautwechsel wechselt, verzichten eben den: den Umlautwechsel. Ein Beispiel? Schlafen – ich schlafe – du schläfst. Nach der Regel hieße der Imperativ schläf! Ohne Umlauf, korrekt, bitte: schlaf! Andere starke Verben mit Umlautwechsel? Backen – blasen – fahren – fallen – halten – laden – laufen – saufen – schlagen – stoßen – tragen und  wachsen. Ich glaube, ich habe keines vergessen beim Durchforsten der Liste der starken Verben. Also: Fall da nicht runter! Blas mir den Schuh auf! Trag das selbst! Und: Schlag das nach!

Und nun werfen wir den Ring ins Hotel Königer und werfen die Verben freuen und treffen hinterher. Treffen – ich treffe – du triffst … triffst. Triff! Den Versuch mit freuen macht das Hotel allein … als Wettbewerb in der SportsLounge. Und schreiben dazu: Schlag das nach!

5 Kommentare zu "Über den guten Imperativ – ohne S und T …"

  1. Binnenmajuskel-Wörter
    – lange nicht gehört. Werde mal die Augen danach offen halten. Gefällt mir gut.
    Triff Deine Freunde bald mal wieder!

  2. Und dass die Herrschaften „Coktail“ statt Cocktail schreiben, ist Ihnen nicht aufgefallen? Eieieieiei.

  3. Sehr guter Artikel. Dass der Imperativ von freuen „nun mal freu und nicht freue“ heiße und dass „freue dich o Christenheit“ nicht sprachkorrekt sei, halte ich allerdings für ein Gerücht. Duden Online meint dazu:
    „Während in der gehobenen Sprache die mit der 1. Person Singular Präsens identischen Formen mit dem Endungs-e bevorzugt werden – Reiche mir das Glas! Ziehe dich an! –, wird in der Alltagssprache eher die Form ohne das Endungs-e verwendet: Jetzt komm schon her und lass dich küssen! Grüß deine Eltern von mir! Zu beachten ist, dass diese Formen grundsätzlich ohne Apostroph geschrieben werden.“
    Kein Apostroph ist also richtig, nur dass es grundsätzlich „freu“ und nicht „freue“ heiße, ist falsch.

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