Gänze, marsch!

Uhhhh, wie finden wir denn das?  Da hat die Apotheke aber einen echten Brüller gelandet, während besorgte Pädagogen – die immer alles besser wissen, die sich um alles sorgen, mit den Ingredienzen für den Erschöpfungszustand nur so um sich werfen und in Bioläden einkaufen – sofort anmerken: Wie soll ein Kind denn lernen, wie man das ganz richtig schreibt in der heutigen Zeit, wo doch alles so schwierig ist, und die Kinder nichts mehr lernen. Wie sollen sie unterscheiden zwischen dem Tier und dem Adjektiv, das hier reichlich adverbiell genutzt wird?

Durch Lernen? Wäre ja eine Idee, oder? Wer ein iPhone von einem Android-Gerät unterscheiden kann und Twitter von Facebook, sollte auch wissen, dass Weihnachten kein ganser Ganzbraten auf den Tisch kommt. So, das musste mal gesagt werden.

Weniger platt wirkt das Plakat eines münchenschwabinger* legalen Drogenhändlers damit dennoch nicht.

Das liegt auch daran, dass der Satz unten auf dem Plakat auch wie hilflos gelesen kann. Gut ausgerüstet durch Ihre Feilitzsch Apotheke darf man auch anders deuten, nämlich so: Nur wenn Sie gut ausgerüstet sind, finden Sie durch das Wirrwarr unseres Hauses.
Oder: Kommen Sie rein, aber nur, wenn Sie Eispickel, 40-Grad-minus-Daune und Trecking-Skier bei sich haben!
Oder: Tragen Sie gleich einmal Sonnenschutzfaktor 50 flächendeckend auf, dann überleben Sie den Laden.
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Non scolae … Unterm Strich was fürs Leben
* münchenschwabinger ist natürlich grottenfalsch. Es ist eine Apotheke aus dem Münchner Stadtteil Schwabing. Oder eine Apotheke aus München-Schwabing. Oder eine Schwabinger Apotheke – wenn man davon ausgeht, dass es wohl keinen bekannteren Stadtteil in gans(!) Deutschland gibt, neben Blankenese, darf man auch München weglassen. Als Adjektiv ist münchenschwabinger  eine Neuschöpfung, für die mir der Duden mindestens zwei Haltungsnoten abzieht. Paragraph 61 des Regelwerks ist unerbittlich: Die von geografischen Namen abgeleiteten Wörter auf „-er“ schreibt man immer groß. 

 

2 Kommentare zu "Gänze, marsch!"

  1. Herwig Ahlemeyer | 23. Februar 2012 um 13:37 | Antworten

    Lieber Michael,

    leider hat der Rechtschreibteufel bei „scolae“ wieder zugeschlagen. Siehe Duden:

    http://www.duden.de/rechtschreibung/non_scholae__sed_vitae_discimus

    Eigentlich möchte ich nicht der Besserwisser sein, nachdem die Rubrik “ non scolae“ aber praktisch unter jedem Artikel erscheint, habe ich diese Mitteilung, mit der Bitte mich nicht als „Besserwisser“ zu benennen, verfasst.

    Beste Grüße

    Herwig

    • Herwig, das ist nett. Ich habe meine alte Schulhefte von meiner Mutter noch einmal bekramen lassen; danach scheint es so zu sein, dass in den 60ern in Nordrhein-Westfalen „scola“ gelehrt wurde.

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