Mein Schnackselsynonymsammlungpissoirlesestoff*

Dies ist ein Plakat für den Film Sex on the Beach. In dem Film geht es augenscheinlich um das, was auf dem Plakat steht, gefunden auf der Toilette der Orange Lounge, München. Ich drücke es mal vornehm aus: um den Geschlechtsakt. Die Plakatmacher, Texter einer Agentur wohl, haben sich dazu allerlei Ausdrücke einfallen lassen, wie die Zielgruppe, die Generation Kino-Pop(!)corn, diesen Akt umschreiben könnte. Zu dieser Generation gehört mein Sohn, der heute Geburtstag hat – seit fast zwei Jahrzehnten meine Nabelschnur zur Jugend.

Meine Generation, die noch nie im Kino Popcorn aß, aber bei der Uraufführung des Begossenen Gärtner der Brüder Lumière schon volljährig war, kennt von diesen Ausdrücken nur einen: Schnackseln. Wegen Fürstin Gloria. Die hat in einer Redesendung* 2001 über Farbige gesagt: Afrika hat Probleme nicht wegen fehlender Verhütung. Da sterben die Leute an AIDS, weil sie zu viel schnackseln. Der Schwarze schnackselt gerne. Intelligent war das nicht, dafür hat sie sich für alle Ewigkeit fest und liebevoll mit einem Verb vereint.

Aber sonst? Fast kein Ausdrucke ist mir geläufig. Bis auf koitieren natürlich, das Bääääh-Wort aus dem Großen Brockhaus.

Darum soll es hier auch nicht gehen. Ich frage mich eher, ob man nicht die Verben, die den Akt beschreiben – und damit wie ein Nomen genutzt werden – großschreiben sollte: (das) Rödeln  – (das) Orgeln – (das) Nageln  – (das) Reinhalten.

Warum? Weil weiter unten steht: … das war der Plan. Der Plan war (das) Koitieren – Der Plan war (das) Bestäuben. 

Nein, falsch, jetzt lege ich mich fest: Der Plan war es* zu koitieren – der Plan war zu bestäuben – der Plan war es zu nageln.

Ist also alles richtig. Ich atme auf.
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Non scolae … Unterm Strich was fürs Leben
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 Ich gebe zu, die Überschrift ist harter Tobak und ein Beleg dafür, dass man komplizierte Wörter koppeln sollte als Schnacksel-Synonym-Sammlung-Pissoir-Lesestoff, beispielsweise. Immerhin ist das Wort gewiss welteinmalig.

* Eine feine Entsprechung des Anglizismus Talkshow, nicht wahr? Andere wären: Quasselbude, Wir-füllen-billig-Sendezeit-Planung, Immer-reden-die-gleichen-Sendung, Wen-interessiert-das?-Beitrag oder Die-Beine-von-der-Will-sind-klasse-Schau.

Wer hier nach dem Hauptsatz ein Komma machen will – Der Plan war es, zu koitieren – hat vielleicht vom Koitus einen Plan, nicht aber von der Rechtsprechung zur Rechtschreibung: Folgt nur ein Infinitiv mit zu, steht kein Komma. Etwas anderes wäre es zu sagen: Der Plan war es, den Negern das Schnackseln zu verbieten. Dann folgen dem Hauptsatz mehrere Glieder(!), die mit einem Komma abgetrennt werden müssen.

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