Dode in Franggen

Wenn Sie diesen lokalen Jokus* nicht sofort verstehen, ist das nicht weiter schlimm. Es fränkelt halt in Franken, und den Franken sagt man nach, dass ihr Dialekt keine harten Vokale kenne, kein P, kein T und K vor allem. So wird aus dem Tatort, der Serie der ARD, halt in Franken ein Dadord. Verstanden, Sie Nicht-Franke?

Ein Problem aber wird die ARD, wird der produzierende Bayerische Rundfunk, haben: das der Darsteller, das des Dialekts. Ein Tatort aus Franken muss signifikant Fränkisch gesprochen werden. Ein Umfrage unter 14 Einheimischen am Samstag hat das sehr klar ergeben.

Die Franken, im Flächenbundesland Bayern eh schon mit dem tief empfundenen Makel der Wenigerbeachteten gegenüber den Oberbayern behaftet, lassen sich keinen Ermittler von außen aufzwängen – und schon gar keinen Oberbayern. Ein Import aus München oder Rosenheim – undenkbar. Ein Zugereister aus Hamburg oder Mannheim – geht gar nicht. Einer, der nicht mit den Gepflogenheiten der Gegend vertraut ist  – nicht mit den Einheimischen. Jemand, der Karpfen verschmäht, keine Schäuferla mag, die Nürnberger Bratwurst links liegen lässt, oberbayerisches Bier trinkt oder Wein, der nicht aus dem bauchigen Bocksbeutel gereicht wird – igitt! Sind wir also gespannt, was die Münchner aus Oberbayern sich ausdenken, um die fränkische Kämpferseele, die geschundene, zufriedenzustellen.

Abgesehen davon: Was Sie dort oben sehen, ist ein Ausschnitt aus der Nürnberger Zeitung. Es ist nicht irgendein Ausschnitt. Es ist die Titelgeschichte. Die Titelgeschichte der Gesamtausgabe, nicht die des Lokalteils. Diese Nachricht verdrängte am Freitag jede politische vom ersten Platz. Sie schmeichelt dem fränkischen Gemüt.

Können Sie nun ermessen, wie wichtig diese Nachricht für Franken ist, Sie Nicht-Franke?
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Non scholae … Unterm Strich was fürs Leben
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Der Jokus heißt im Lateinischen iocus und ist nicht als der Scherz, Plural: Jokusse. Der vermeintlich volldeutsche Jux hat dort seine Wurzeln. Der Duden fasst dies präziser, ich darf zitieren: Jux, Spaß [den sich jemand mit einem anderen erlaubt]: Jokus machen; seinen Jokus mit etwas haben. Und natürlich Johann Nepomuk Nestroys Einen Jux will er sich machen. Und um mal etymologisch weider wieder einen Rundumschlag zu landen, sei hier noch zitiert, was der Duden zum Jux schreibt: … das auch in französisch „jeu“, Spiel, Spaß und in englisch „joke“ (Joker) erscheint, gehšören die Bildungen lateinisch „ioculator“ Spaßmacher – näŠher zu „oiculus“ SpŠäßchen – und „iocalis“ spaßig, kurzweilig, aus denen die Fremdwöšrter Jongleur, jonglieren und Juwel, Juwelier stammen. 

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