Zum Teufel mit dem Teufel …

Darf ich Ihnen ein paar Wochen vor Weihnachten eines der bestgehüteten* Geheimnisse des Pressewesens verraten? Sind Sie bereit für eine eine arge Enttäuschung? Dann los!

Den Fehlerteufel gibt es nicht. Es gibt Menschen, die Fehler machen. 

Weil Sie sie nicht genau zuhören, weil sie etwas falsch mitschreiben, weil die Datenbank etwas Falsches gelistet hat, weil einer etwas Dummes hineinredigiert. Weil Redakteure nicht in allen Fachgebieten zu Hause sind. Weil sie unzureichend differenzieren, wie in dem Beispiel links.

Auch wenn er noch so bedrohlich ausschaut wie auf diesem Bildchen, es gibt ihn nicht. Es hat ihn auch nie gegeben. Der Fehlerteufel ist nichts anderes als eine dämliche Bezeichnung für die Tatsache, dass Redaktionen nichts besseres einfällt, wenn es um ihre Fehler geht. Ihn noch zu nutzen, hat beinahe einen erbärmlichen Beigeschmack. Ich sage das so hart, weil mich dieses Wesen schon seit langem ärgert.

Vereinfacht gesagt: Wo Menschen arbeiten, machen sie Fehler. Auch Redaktionen machen Fehler. Aber es ist schon verdammt unangenehm, am nächsten Tag zu sagen: Dort haben wir einen Fehler gemacht. Ich weiß das aus eigener Erfahrung.

Es geht übrigens auch ein wenig anders: Was Sie links sehen, finden Sie in der Süddeutschen. Immer noch tobt sich da der Fehlerteufel bildlich aus, aber er wird nicht mehr namentlich angesprochen. Es heißt nur noch Korrekturen.

Im Deutschen Sprachkompass, den ich ebenfalls schreibe, gibt es eine kleine Rubrik, die da heißt: Der Sprachkompass-Fehler-Finder. Dort zu sagen, dass in der letzten Ausgabe ein Fehler passiert sei, ist besonders bedrückend, da der Sprachkompass von zwei Korrektoren in drei Durchgängen hart gelesen wird. Und dennoch rutschen uns ein falscher Buchstabe, eine nicht korrekt ausgefüllte grammatikalische Bestimmung oder ein falsches Geburtsdatum durch. Passiert. Den Fehlerteufel dort einzuführen, habe ich nie überlegt. Es geht um sehr sorgfältiger Arbeit – und das Wissen, dass man dennoch patzen kann.

So, das musste mal gesagt werden.
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Non scholae … Unterm Strich was fürs Leben
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So wie er da steht, ist der Superlativ richtig. Grundregel für die Steigerung von zusammengesetzten Adjektiven: Immer nur einen Teil steigern, bitte. Es gibt kein bestbehüteststes Geheimnis, kein kleinstmöglichstestes Was-auch-Immer.

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