schreibt groß!

Dies ist ein Hinweis auf einen sehr interessanten Tagebucheintrag, und dies ist ein Verweis auf Probleme, die Menschen manchmal machen, wenn sie sich nicht ernstgenommen fühlen und ihr allerureigenstes Interesse über andere Interessen stellen: Hey, ist das nicht furchtbar, ein Amokläufer hat 15 Menschen gekillt! – Ja, und was ist mit den Robbenbabies Robbenbabys in Kanada … denen geht es auch nicht gut.

Aber von vorn: Was Sie oben lesen, ist das Blog, das Internet-Tagebuch, des ARD-Korrespondenten in Tel-Aviv, Richard C. Schneider. Dies ist nur ein Teil daraus. Den ganzen Beitrag lesen Sie hier, es lohnt sich. Er zeigt das, was man nicht sieht, wenn man die Nachrichten lediglich in tagesschaudosierten* Häppchen wahrnimmt.

Herr Schneider befasst sich in diesem Absatz mit einem Leser, der sich darüber mokierte, dass Schneider manchmal nur die kleinschreibung absondere, obwohl doch das deutsche eigentlich die groß- und die kleinschreibung, das gemischtbuchstabige also, vorsehe. Schneiders Antwort darf man auch als ins Patzige gehend lesen, denn eigentlich liest es sich so: Hömma**, Leser, ich sitze in Tel Aviv, manchmal kracht eine Rakete in unser Wohngebiet; wenn ich unterwegs bin, tippe ich mühsam in ein iPad, auch wenn links und recht um mich herum Menschen in Deckung gehen. Und Du, Leser, willst, dass ich auch noch korrektes Deutsch schreibe? Hallo … gehts noch? 

Soll ich Ihnen was verraten? Recht hat er, der Herr Schneider. So sehr wir darauf achten, dass das Deutsche nicht unter die Räder kommt, so vollkommen wuppe ist uns das, wenn es um etwas Größeres geht. Ein Beispiel gefällig?

Gern. Wir bleiben im Gelobten Land****, nicht weit von Tel Aviv entfernt und zeitlich: vor ein paar mehr Dekaden als jeder Lebende es sich vorstellen kann. Weit vor Christi Geburt übergab der Herr einem Herrn Moses die Tafeln mit den Zehn Geboten***, festgehalten ist dieses Weltereignis in der Bibel. Und nun stellen Sie sich einmal vor, der Herr Moses striche sich durch den Rauschebart und sagte: Hömma, lieber Gott, ist ja alles gut und schön, was Du Dir da ausgedacht hast. Aber beim vierten Gebot fehlt ein Komma. Könntest Du das bitte verbessern? Das vierte Gebot lautet Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt. Und hömma, Herrgottnocheinmal, bevor das nicht in klarer Sprache gemeißelt ist, schauen wir uns das einfach nicht mehr an. Jetzt reicht es!

Seien Sie mal sicher: Derjenige, der dem Herrn Moses das eingeflüstert hätte, wäre der Stammvater der Deutschen, besser: der deutschen Eigenart, in jedem Winkel des Seins immer noch ein Fehler zu finden – und sei es einen Rechtschreibfehler!

Der Deutsche Sprachkompass, übrigens, den ich ebenfalls verantworte, wird sich im Sonderheft Dezember 2012 ausführlich mit den Redewedungen befassen, die aus der Bibel stammen. Da wird es manchen Stein des Anstoßes(!) geben, aber ich wasche meine Hände in Unschuld(!) beim Schreiben.
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Non scholae … Unterm Strich was fürs Leben
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Diese Verbindung aus Nomen und Partizip, zum Adjektiv zusammengestaucht, mag ich sehr. Und ich gebe zu, dass hier die andere Schreibweise Tagesschau-dosiert schöner gewesen wäre. Aber ich schätze es manchmal komplizierter, wenn es schön ausschaut.
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Für Menschen, die nicht aus dem Ruhrgebiet kommen: Das Kürzel hömma steht für Nun hör mir doch einmal zu, ein Wörtchen, das empört um Aufmerksamkeit buhlt.
*** Die Zehn Gebote schreibt man groß. Eigenname! Die einzelnen Gebote indes klein: Das sechste Gebot misshagt mir mehr als das zehnte. Und das Gelobte Land werte ich ebenfalls als Eigenname.

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