Auf dass es dasst!

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Stil, bitte! Stil! Sonst steigt der Leser aus! Viel Stil! Genug der Ausrufezeichen. Und nun befassen wir uns mit einem Kommentar des sehr geschätzten Kollegen Heribert Prantl, Innenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung, und Ihnen vielleicht als kluger Gast in politisch eingefärbten Rede-Schauen geläufig.

Heribert Prantl, Volljurist, danach an Gerichten tätig, kommentiert die Tatsache, dass die Drohnen der Amerikaner – die US Hawks also – von deutschem Boden aus gesteuert werden. Und nun schauen Sie sich doch einmal an, wie Prantl das sagt: Dass von den US-Kampfdrohnen, mit denen in Afrika extralegal Islamisten exekutiert werden, Frieden ausgeht, lässt sich nicht behaupten. 

Ich habe den Hauptsatz der besseren Erkennung halber in Rot geschrieben, den Dass-Satz in Blau, den Nebensatz in Grün: Es lässt sich nicht behaupten, dass … wäre gewiss der bessere Einstieg. Hätte diesen Satz einer meiner Volontäre geschrieben – retour, und neu, bitte!

Ein Ausrutscher? Nein.

Und dass die US-Streitkräfte-Basis in Stuttgart-Möhringen und die US-Basis in Ramstein, wo diese tödlichen Drohneneinsätze geleitet werden, auf deutschem Boden stehen, lässt sich nicht bestreiten. Munter schachtelnd geht es. Und lesen Sie bitte einmal den Rest dieses Auszugs, den ich Ihnen bildhaft vor Augen führe. Das dass beherrscht den gesamten Absatz. Mit dem Ergebnis: schwer zu verstehen. 

Würde sich Prantl jetzt angegriffen fühlen, blieben ihm zwei Linien der Widerrede: (1) Das Thema sei halt kompliziert, da müsse der Leser durch. Es gehe um den Inhalt. (2) Ich, der Autor dieser Zeilen, hätte nicht begriffen, dass die Verdassung im gezeigten Absatz ein Stilmittel sei. Meine Antwort: Ok, ok! Dennoch …

Mein kleiner Tipp also zum Wochenende: Entschachteln Sie Sätze! Hauptsatz – Nebensatz. Jeweils höchstens einen in dem Gebilde zwischen zwei Punkten. Halte ich mich immer an die eigenen Vorgaben? Beileibe nicht. Die Verlockung ist groß, einen Satz zu beginnen – und ihn irgendwie zu Ende zu bringen. Und dann noch ein wenig hineinrelativsatzeln. Aber ich bemühe mich, die Sätze einfach zu halten. Einfach, um Sie bei der Stange zu halten. Amen!

Extraklasse im Prantl-Text aber ein neues Wörtchen, das nur Juristen einfallen kann: extralegal. Das Wörtchen gibt es nicht im Duden. Dieses Adverb hat deshalb einen großen Charme, weil es sonst – extra dieses neuen Einsatzes – ein Adverb und ein Adjektiv, aber auch sehr selten eine Präposition sein kann: Den sehr bildungssprachlichen Ansatz als Präposition – durch den Duden nicht gedeckt – finden Sie im Parenthese-Satz zuvor. Im Süddeutschen gibt es, mit extra als Adjektiv, Sätze wie Der war aber wieder extra heute, im Sinne von: sehr eigen. Als Adverb schließlich findet extra seine Vollendung. Das machst Du extra! – Er hat danach extra stark geraucht.

Extralegal, wie von Prantl benutzt, ist ebenfalls ein Adverb, aber eben ein besonderes: Er zieht es aus dem Lateinischen, wo extra eine Präposition ist. In der Bedeutung außerhalb von etwas – im zeitlichen und im übertragenen Sinne – steht sie mit dem Akkusativ. Korrekt wäre extra legem, aber das versteht niemand. An extralegal kann man sich herankonnotieren. Ich mag so etwas …

Blöd wäre es indes, den Text jemandem vorzulesen. Der verstünde extra legal, und dann hätte man Prantl missverstanden. Wie werden Islamisten exekutiert? Extra legal, von Deutschland aus … die machen das extra!

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