Wenn es blitzt …

Nun mal genau hinschauen und lesen. Es geht nicht um den Dachdeckermeister oder die Frage, wie Josef Dittmar an sein Geschäft kam oder wie der Betrieb früher hieß. Es geht um ein Wort, das ich bislang nicht kannte: den Blitzableitersetzer, gesehen zu Nürnberg, Rohlederstraße im Stadtteil Johannis.

Den Beruf kennt der Duden nicht; der, auf Seite 283, kennt nur den Blitzableiter und setzt den in eine Zeile mit Blitzaktion – als hätten die beiden Wörter irgendetwas miteinander zu tun (sieht man mal davon ab, dass der Blitz in Aktion gewesen sein muss, um den Blitzableiter sinnvoll zu aktivieren).

Wahrigs Deutsches Wörterbuch, Seite 285: Fehlanzeige. Es sagt, dass ein Blitzableiter auch eine Person sei, die man vorschicke, um Ungemach abzufangen und vom eigenen Gewese absehen zu lassen.

Gehen wir tiefer also in die Historie. Der Duden von 1929, sütterlint im Rubrum Blitz:
Blitzpresse (was immer das sein mag, der Boulevard der Weimarer Republik?),
Blitzschlag (ja, verstehen wir, gibt es noch!),
Blitzzug (der Weimarer-Zeit-ICE, der dem D-Zug der 50er Jahre voranfuhr?).

Und dann folgen blitzsaubere, schöne alte Wörter –
wie: jemanden blitzblau schlagen (heute wohl: jemanden von der U-Bahn direkt ins Krankenhaus bringen lassen und in die Tagesschau),
oder: in Blitzesschnelle (sagt noch jemand: Ich komme in Blitzesschnelle zu dir … ?);
auch: blitzschnell (noch gebräuchlich);
aber: blitzig für schnell?;
aber: blitzplötzlich für sehr zeitnah?;
aber: Blitzer für Blick?;
aber: blitzen für blicken? – (ich blitze dich an …?, … sprach bisweilen der Herr Schutzmann mit der Geschwindigkeitspistole oder heute, wohl abgeleitet, der Flirtversuch, den man mit Ich blinzele dich an ... umschreibt).

Fehlt der Opel Blitz, das Transportmittel der 50er und 60er für alle Blitzableitersetzer und Anverwandte; heute: Sprinter oder Van.

Sprache lebt, und sie ändert sich. Was wunderbar ist …

Den Blitzableitersetzer habe ich nicht gefunden in den Sprach-Werken, den gedruckten. Gehe also tiefer in die Tiefe. Google findet viel. Und, heißa!, es gibt den Beruf tatsächlich. Heute ist der Blitzableitersetzer ein staatlich geprüfter Beruf – ausweislich der Visitenkarten , die das Netz zeigt –, den augenscheinlich vor allem Dachdeckermeister wie Herr Dittmar ausüben. Aber der Innung der Blitzableitersetzer – haben die eine Innung, die Blitzableitersetzerinnung? – schlage ich vor, mit den Dudens oder den Wahrigs zu reden, dass da mal Ordnung kommt ins Berufsverzeichnis. Erst stirbt der Name, dann der Beruf.

Bleiben also zwei Fragen …
Erstens: Gibt es einen anderen staatlich anerkannten Beruf, dessen Bezeichnung nicht im Duden steht?
Und vor allem: Gibt es einen zweiten Beruf mit zwei TZ in der Bezeichnung?

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