Die Probleme mit dem Cappuccino

Wer mit offenen Augen durch Antalya, eine südtürkische Stadt so groß wie Köln, geht, findet schöne Beispiele, wie Türken mit ihrer Sprache umgehen. Erstes Kennzeichen: Alles ist erlaubt, offene Schlacht der Buchstaben − und jeder versteht es. Ich werde hier in lockerer Folge Beispiele dafür liefern, wie im öffentlichen Raum Sprache behandelt wird.

Ich gebe es zu, ich bekenne! Als ich dieses feine Werbeschild zum ersten Mal sah, fragte ich mich, ob meine Idee von der Schreibweise von cappuccino falsch sei: nämlich die mit Doppel-P und Doppel-C. Ich stutzte, weil ich dachte, dass ein Schildchen mit dem Original-Schriftzug von Illy, einem der nobelsten Röster des italienischen caffè (Achtung: Schreibweise mit é am Ende: das Café; mit è am Ende: der Kaffee! Und nein, Illy zahlt mir für diesen Satz nicht mal 1000 Lire) auf jeden Fall richtig sein müsse.

Ist es aber nicht. Da fehlt ein C! auf dem Schild. Punkt. Ist so. Ich empfehle, das fehlende C vor oder nach dem zweiten C zu platzieren.

Und ich erinnerte mich schwer an eine frühere Geschichte auf meiner deutschmeisterei, bei der ich mich auch um die Schreibweise von Kaffee/Café drehte.

Doch hier soll es nicht um Kaffee im Allgemeinen, sondern um den Cappuccino gehen. Wer sonst nur Blümchentee trinkt oder Muckefucks Deutschen, dem sei dieser Verweis empfohlen, unter dem alles über den Milchschaumgeschlagenen steht. Dort lesen wir auch, dass die Italiener diesen Kaffee von den Österreichern entwendet haben; die machten aus dem Kaffeehaus-Renner Kapuziner (ein P, ein Z!) ihren Cappuccino. Sei es drum!

Doch damit ist die kleine Geschichte über den Italiener in der Türkei noch nicht zu Ende erzählt. Erstens schlägt der türk kahvasi, der türkische Mocca, − heiß, süß und am Ende etwas sandig, wenn das Moccatässchen leer ist − vieles, was man sonst an Kaffee geboten bekommt, und zweitens wäre die Geschichte nicht rund, wenn es nicht andere Beispiele für die Lehnwort-Wirrnis gäbe.

Die Speisekarte links, iPhonegeknipst in der Altstadt Kaleiçi zeigt nämlich noch eine Variante, das Getränk aus dem Österreichischen über den Umweg Italien an die türkische Mittelmeerküste zu bringen: Capicino.

Herrlich an diesem Plakat in der Altstadt von Antalya auch der nächste Schlag ins Gesicht einer deutsch-getrimmten Werbeagentur (siehe oben): Ganz oben prangt rot In vino veritas, also: dass im Wein die Wahrheit liege, das Motto aller akademisierten Trinker! Und dann? Sehen Sie irgendwo einen Wein auf der Karte? Nix!

Da gibt es nur Hot Cholate (Kakao, zwei Euro), Orange Soft (sanfter Orangensaft?, 1,60 Euro) und Mineall Water (gemeint wohl: Mineralwasser, 80 Cent). Damit mir endlich jemand diese Werbung für Antalya zahlt, habe ich die Preise in Euro jeweils dahinter gesetzt. Jaja, es ist preiswert hier, sehr preiswert! Und unglaublich schön und erholsam …

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