Mehr als ein Laden … ein Laden voller &

141104_VerwyleOh, wie ich das mag. Wie sehr! Diese werbenden Wörter und Sätze, in denen mehr als … vorkommt. Mehr als ein … Auch gern genommen in der noch schickeren Variante ... and more. Meer und mehr als … Meer and more … O Graus! Verwyle in Bern jedenfalls, wir ahnen es, ist mehr als ein Laden. Wer will sich schon nachsagen lassen, er habe da nur mal so einen Laden. Das klingt ja gar nicht … kreativ genug. Und was ist Verwyle dann? Ein Kino? Ein Frisör? Ein Reifenhandel? 

Ne, vor allem wohl ein &-Händler. Denn so wie die Verwyler hier mit dem Kaufmanns-Und, dem falschen, um sich werfen, haben sie davon die Regale voll. Und mehr noch (hier darf ich es, denn es kommt ja noch etwas, eine Begründung, ein weiteres Argument): Sie setzen es so dermaßen offensiv ein, dass ich dazu neige, es als Marotte zu klassifizieren – und beinahe nachsichtig damit umzugehen. Ja, man möchte schreien: Hey, Ihr Kreativen, ihr, in der letzten Zeilen, da steht ein echtes und – raus damit! Setzt da noch ein & ein! Mann&mann! Und eine Zeile drüber! Habt ihr denn alles übersehen?

Dann aber liest man zum dritten Mal und stellt fest, dass der Schreibservice Strichpunkt ebenfalls im Hause residiert. Und stellt sich zwei Fragen: Erstens, hätten nicht die Texter dieses Blättchens mal den Schreibservice oder die Schreibservice (einfach mal zurückblättern, um drei Tage, bitte) in Anspruch nehmen können? Und zweitens, sollten sie es getan haben, möchte man den Schreibservice in Anspruch nehmen?

Zurück zum … mehr als. Ich lese oft Texte, in denen Konstruktionen dieser Art vorkommen: … nach diesem Gespräch hatte er die Nase mehr als voll … – er sah sie mehr als lange an … – bei diesem Einkauf zeigten sich die Taschen mehr als gut gefüllt. Es gibt zwei Möglichkeiten, mit diesen Floskeln umzugehen: (1) Streichen –oder durch ein sehr ersetzen. (2) Den Autor fragen, was er genau damit meint. In der Regel kommt dann: Das sagt man doch so … Stimmt, das sagt man so. Und, brauchen wir Floskeln in guten Texten? Meist zieht der Autor dann mit einem mehr als hochroten Kopf ab. Nun muss ich grinsen.

Ihnen einen wenig grauen Tag. Und wenn er mehr als grau werden sollte, gehen Sie doch mal ins Verwyle. Da gibt es bestimmt einen unheimlich kreativen Prosecco & so.

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