Ist in Bälde zeitnaher als bald?

Wann ist „in Bälde?“ Balder als bald? Sehr zeitnah? In Monaten? Morgen, im Morgengrauen?

Stellen Sie sich vor, Sie bestellten einen neuen Mercedes, C-Klasse. Im Autohaus fragen Sie, wann denn der Wagen geliefert werde. Der Verkäufer, eben noch ein netter, wohlerzogener Herr mit guten Manieren und des Deutschen halbwegs mächtig, antwortet: In Bälde.

Sie wundern sich.

Wird er aber nicht sagen; der Autoverkäufer zückt einen elektronischen Zeitplaner, der mit dem Datenstock von Mercedes- Benz verbunden ist und sagt: 14. September, 14:30 Uhr bei uns.

Sagt oder schreibt überhaupt noch jemand „in Bälde“? Das Internet, für derartige Recherchen gut zu nutzen, listet das Jahr 2005 als letztes Auftauchen von „in Bälde“ auf: Falls der TecDax in Bälde den Widerstand nehmen sollte… schreibt die Frankfurter Rundschau am 25. Juni.

Seien wir ehrlich: Ein alt anmutendes Wort, nein: ein altes, nicht mehr gebräuchliches Wort in einem Artikel über Aktienverlaufs-Techniken mutet befremdlich an. Es stört. Es erweist sich als Widerhaken in einem glatten Text. Es lenkt ab.

Was aber vor allem gegen einen Ausdruck wie „in Bälde“ spricht, ist seine Nutzlosigkeit: „In Bälde“ hat keine andere Konnotation als in nicht weiter definierter, aber naher Zukunft. Es erweitert „bald“ nicht; es macht „bald“ nicht zeitgenauer. Und: Mit einigem Nachdenken findet man Entsprechungen, die teilweise schwerer sind als das dreisilbige „in Bälde“, aber nicht so althergebracht klingen: bevorstehend, in absehbarer Zeit, demnächst, über kurz oder lang, beizeiten. Und natürlich einer der Lieblingsausdrücke der neuzeitlicher Sprachzerzauser: zeitnah. So etwa: Sie können zeitnah mit meinem Feedback rechnen, was nicht gegen den Begriff „zeitnah“, aber sehr gegen „feedback“ spricht und nichts anderes meint als: Ich melde mich bald.

Goethe übrigens, immer wieder gerne herangezogen, hat „in Bälde“ auch nicht genutzt, als er in „Ein Gleiches/Wanderers Nachtlied“ (jaja,  so heißt das mit „Über allen Wipfeln …“ nun mal) schrieb und alles ruhen ließ: Es endet mit … Die Vögelein schweigen im Walde. Warte nur, balde, ruhest du auch …

Es geht nur so, nicht wahr? Warte nur, zeitnah, ruhest du auch … Ein Graus!

8 Kommentare zu "Ist in Bälde zeitnaher als bald?"

  1. 😀
    Ich wollt es grad verwenden aber nun lasse ich es doch lieder sein 😉
    Schöner Text dazu!

  2. Hallo meine lieben Mitstreiter!

    Also, ich finde „in Bälde“ sehr gut! Das ist ein schönes voluminös klingendes Wort und sagt mir, dass es z. B. in Kürze los geht…

    Lasst uns doch unsere alte Sprache einfach ohne sie auseinanderzunehmen erhalten. Allemal besser als „feedback“ und Mercedes Benz C Klasse geht sowieso nur als AMG!

    Viele Grüße und schöne Diskussion

    Evil-Bono

  3. ..ach ja, ich habe einige Kommata vergessen… (sorry) ..das war englisch…

  4. hallo

    als Ingenieur überfordert mich bei dem Wort „zeitnah“ die Verknüpfung der Zeit mit einer Ortsangabe, entsprechnd wäre der bisher ungebäuliche Begriff „ortsbald“ …. dann vielleicht doch lieber „In Bälde“

    Viele Grüße
    Jan

  5. Ich darf meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass ich in Bälde solche Artikel nicht mehr lesen muss.

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