Lösch-Geschichten

So, holt mal eure Hefte raus! Heute wird gelernt. Wir befassen uns mit der Geschichte des Löschens von falschem oder unerwünschtem Text. Kulturgeschichte. Meyer, wie löschte man im Mittelalter auf Pergament Geschriebenes? – Kratzen. – Sehr gut! Müller, wie machte es Diogenes? – Der wartete auf Wind und Wasser. – Prima! Schultze, was wurde nie gelöscht? – Die Zehn Gebote. – Warum? – In Stein gemeißelt. – Klasse, klasse! Krüger, wie löscht man Brandzeichen auf Viechern? – Hääääää …?

Wie machen es ABC-Schützen? Radiergummi …

Wie machte man es vor 150 Jahren? Löschpulver.

Und was macht man bei Füller-Fehlern? Tintenkiller.

Wie machten es Sekretärinnen in der Sechzigern? Mit einem roten Löschband in der Maschine.

In den Achtziger? Mit Tippex.

Und heute? Löschtaste auf dem Computer.

Schauen Sie, dies alles hatte ich vor Augen – ich war ja ein braver Schüler –, als meine kleine, feine Schreibwerkstatt dieser Brief erreichte: Lieber Schreiber, Sie arbeiten ja auch als Korrektor. Ich wollte Erste Vorsitzender des Hundevereins Grüne Lanke-Wuff e.V. werden und habe mir meinen Wahlspruch für 44,50 Euro plus Mehrwertsteuer in die Haut brennen lassen. Der Brenner kam aus Kirgisistan, lebte aber schon drei Monate in Deutschland, und ich habe ihm diktiert, was er schreiben sollte. Als ich dann bei der Versammlung unseres Vereins mein Motto enthüllte – übrigens meine einzige Werbemaßnahme –, lachten einige. Ich wurde nicht gewählt, und die Helga, die ist Deutschlehrerin, sagte, dass da was nicht stimmt. Sie hat dann gleich auch Kreise um das gemacht, was ihr auffiel, die Schnalle. Die Helga gab mir danach Ihre Adresse. Die Helga wurde auch gewählt, die frustrierte Kuh mit ihrer Promenadenmischung aus Kalb und Pudel! Können Sie mir helfen? Ihre Denise F., via Facebook.

Und dann kam das Bild. Das sah so aus …

140829_Hundaufrücken

Ich schickte Denise den gelben Duden zu und Dudens grünes Werk, Richtiges und gutes Deutsch. Dazu gab ich ihr die Adresse meiner Bekannten Donna B.Lut. Donna leitet ein SM-Studio in Castrop-Rauxel. Sie ist promovierte Germanistin – ich kenne sie vom Studium in Transsilvanien – und hat sich spezialisiert auf Ritzungen, Ätzungen, Brennungen mit dem Feuerhaken Tippex_brutal3.0, einem neuzeitlichen Löschinstrument, das immer bedeutsamer wird. Sie sagt, dass ihr Studio nur noch besucht werde von Leuten, die sich ihrer Tätowierungen schämten. Das schmerze zwar, aber nach 35 bis 50 Jahren habe die Haut das verarbeitet.

An Donna schickte ich den Hinweis, dass die hundevernarrte Lehrerin Helga noch einen weiteren Kreis hätte machen sollen – um das letzte Komma herum, nach … liebt. Aber Donna weiß das auch ohne meine Aufsicht.

Ihnen eine frohes Wochenende! Auf dass Sie mich nie nach der Adresse von Donna fragen müssen …

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