Neue Wörter, Folge VI: Fleischtunnel

Fleischtunnel. Auf welt.de lese ich über die schlimmsten Modesünden des Jahres und stoße auf einen Begriff, den ich nicht kenne, den Fleischtunnel. Erste unappetitliche Assoziation: ein haariges, teilentblößtes Hinterteil in einer zu engen XXL-Jeans lässt tief blicken. Pfuideibel, zu Recht abgestraft!

Falsch. Der Fleischtunnel ist ein Ohr-PiercingBild: Daisy Romwall, Morro Bay, US), das centstückgroß sein kann, jedenfalls so groß und rund, dass der Ohrlappen einen Tunnel aus Fleisch zeigt. Nicht viel appetitlicher als die erste Assoziation, wie ich finde, aber das Wort ist interessant.

Erstens nämlich listen weder Wahrig noch Duden noch das neue Duden-Büchlein Unsere Wörter des Jahrzehnts den Fleischtunnel. Ein wirklich neues Wort also.

Und zweitens gab es den Fleischtunnel schon im Englischen, als flesh tunnel, bevor sich bei uns das Ohrfleisch dafür dehnte. Wir verzeichnen hier also den seltenen Fall, in dem ein englisches Wort eingedeutscht und auch benutzt wird – in der Sprache einer Szene oder Gruppe, die sonst wenig Berührungsängste mit Anglizismen hat. Mir gefällt das.

Dass diese Dehnung mit Edelstahl oder Titan tief blicken lässt, im doppelten Wortsinn, sagt spafi auf shortnews.deFrüher ist jemand, der durchlöchert werden wollte oder das Bedürfnis hatte, Metall im Gesicht zu haben, in den Krieg gezogen. Den Menschen geht es einfach zu gut, als dass sie merken, was sie da wirklich fabrizieren. Dem muss man zustimmen.

Das neue Wort sei dennoch herzlich willkommen!

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