Da wiehert es in der Antwort

13012_Rückantwort

Manche Veranstalter sind mit einer Antwort zufrieden. Mit einer Antwort, die man faxt; sie könnte einen solchen Text enthalten: Ich komme gern. Andere Veranstalter wollen mehr. Antwort reicht nicht; sie wollen eine Rückantwort. Ein Rückantwort ist insofern mehr als eine Antwort, als dass …

Ja, was denn? Wird die Rückantwort auf goldenem Papier geschickt? Kommt sie gedrechselt? Trägt sie würdevolleren Text? Kann man einfach so antworten, aber rückantworten geht nur, wenn man promoviert ist oder mindestens mit dem letzten deutschen Kaiser verwandt?

Schmarrn. Alles Schmarrn!  Eine Antwort ist eine Antwort, auch wenn der Duden zur Rückantwort dies schreibt:  Im Unterschied zu Antwort wird Rückantwort gewöhnlich im Sinne von »Antwort auf eine telefonische oder schriftliche Anfrage« gebraucht. So ein Blödsinn! Da haben die Marketender in den Büros dem Duden aber gut was vorgemacht. Und selbst wenn die marketendenden Sprachverhunzer gerne rückantworten lassen, macht es das nicht besser. Wenn ich die Leser meines Deutschen Sprachkompasses um eine Antwort bitte, bitte ich um eine Antwort. Nix rück …

Zur Ehrenrettung des in dieser Frage sehr freundlichen Dudens sei gesagt, dass das Werk bei Rückantwort eine Bemerkung einschiebt: Pleonasmus! Was das ist? Von einem Pleonasmus spricht man, wenn ein Wort oder eine Wortgruppe eine Bedeutung doppelt. Das Wort kommt aus dem Griechischen, wo pleonasmós klar zeigt, worum es geht: um einen Überfluss an Bedeutung. Der bekannteste Pleonasmus ist der weiße Schimmel. Ahh, der Schimmel ist – wenn er nicht gerade Esswaren befällt oder mit der Einschränkung Apfel vor Schimmel daherkommt – ein weißes Pferd. Das Wörtchen rück verhält sich zur Antwort wie das Adjektiv weiß zu Schimmel. Alles klar?

Das war einfach. Ich habe in der Doppelausgabe Oktober/November 2012 des Deutschen Sprachkompasses aber nicht nur den Schimmel wiehern lassen, sondern eine Reihe anderer Pleonasmen, auch versteckter: Voranmeldung – Mitbeteiligung – Einzelindividuum. Es wiehert …

Und was halten Sie von den Verben zusammenmixen – abisolieren – verbleiben – befüllen – versterben – auffüllen – abklären – vorankündigen – ausborgen – anmieten – anwachsen – absenken? Starker Pleonasmus-Verdacht! Sehr starker – man kann die Vorsilben problemlos streichen, ohne dass sich der Sinn des Verbs ändert. Also, wenn Sie den gesamten Text nachlesen wollen, geben Sie mir eine Rückantwort, bitte!

Nachtrag, 23. Mai 2013: Ich habe das Thema heute noch einmal aufgegriffen.

10 Kommentare zu "Da wiehert es in der Antwort"

  1. Abisolieren ist kein Pleonasmus. Es bedeutet: die Isolierung von einem Leiter entfernen. Das Werkzeug dafür ist die Abisolierzange.

    • Für die Fachsprache stimmt das. Der Duden schreibt: Der Verbzusatz ab- kann unterschiedliche Funktion haben: das Rohr abisolieren bedeutet „etwas hinzufüŸgen“, damit das Rohr dicht wird. Den Deckel abnehmen bedeutet dagegen, den Deckel zu entfernen. Ist ein MissverstŠndnis möšglich, sollte der Verbzusatz ab- vermieden werden. In dem Satz Die Leitung wurde abisoliert bleibt unklar, ob die Leitung isoliert worden ist oder ob man sie von ihrer Isolierung befreit hat. – In der Fachsprache hat sich heute die Verwendung von abisolieren im Sinne von „die IsolierhüŸlle auf eine gewisse LäŠnge von der Spitze einer Kabelader abstreifen“ durchgesetzt. © Duden – Richtiges und gutes Deutsch, 7. Aufl. Mannheim 2011.

  2. Siegfried P. Roth | 24. Oktober 2016 um 17:29 | Antworten

    Endlich sagt es mal wieder jemand!
    Man möge doch in der nächsten DUDENausgabe alle Pleonasmen entfernen!

  3. Danke für die Aufmunterung …

  4. Gerhard Snitjer | 9. Dezember 2016 um 10:14 | Antworten

    Mitkonkurrent

  5. Philipp Schlapak | 8. Februar 2017 um 20:50 | Antworten

    Gelegentlich verwende ich auch das Wort „verbleiben“. Z.B. am Ende eines Gespräches oder einer Verhandlung: „Wie verbleiben wir nun?“, also im Sinne: „Was vereinbaren wir?“
    …..ich finde es passend.
    Im Übrigen finde ich den Kommentar von Herrn Lohmann sehr witzig und freue mich darüber, dass er der deutschen Sprache mächtig ist, vielen Dank.

  6. Pleonasmus? Also gefühlt würde ich meinen (auch schön, sic!):

    Rückantwort – ja
    zusammenmixen -ja
    abisolieren – nein, siehe Kommentar zuvor
    verbleiben – nein, siehe ebenfalls zuvor
    abklären – nein. Klären bedeutet vollständiges Verständnis der Sache, abklären ist lediglich das Bemühen darum.
    befüllen -ja
    versterben -ja
    auffüllen – m.E. nein. Füllen ist allgemeiner gehalten, wobei einzuräumen ist, dass das eher im gefühlten Bereich angesiedelt ist. Das „auf“ meint häufig einen mehr als einmaligen Vorgang des Füllens.
    vorankündigen – ja
    ausborgen – ja
    anmieten – ja
    absenken – nein. Mit der gleichen Argumentation könnte man ebenfalls „aussenken“ oder „versenken“ verkürzen.

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