Schoo schöö, der Irrealis

es wär schon schöner, wenn es schöner wär. Nun, Sie lesen den Namen des großen Erich Kästner als Zitatgeber am Fuß der Tafel. Ehrlich,wären Sie auf Kästner gekommen? 

Ich nicht. Ich hätte Karl Valentin vermutet. Oder Joachim Ringelnatz, aber nicht Kästner.

Ich habe das heute ausgesucht, weil ich (a) Kästner verehre – (b) weil mir das Zitat neu war – (c) weil es wirklich herrlich ist.

Es ist nämlich herrlich unsinnig – und bekommt erst Sinn, wenn man näher hinhört und sich ein wenig mit Grammatik befasst.

Natürlich, lieber Erich K., wär es schöner, wenn es schöner wäre – welch ein Unsinn, das festzustellen! Die Autobahnen wären freier, wenn sie freier wären – der Bundespräsident wäre glaubwürdiger, wenn man ihm würdglauben können* – der Winter wäre winterlicher, wenn er winterlicher wäre. Das sind ähnlich gelagerte Sätze.

Schauen wir uns das doch mal grammatikalisch an: Irrealis der Gegenwart (und darum geht es hier), Konjunktiv II im Präteritum. Nix verstanden? Macht nichts. Es bestünde durchaus die Möglichkeit, dass es schöner wäre, nämlich dann, wenn es schöner wäre. Der Konjunktiv II im Präteritum sagt genau das: Wenn diese oder jene Bedingung erfüllt wäre, wäre dies oder das möglich. Es besteht Hoffnung im Konjunktiv II, Präteritum; es kann noch kommen, es kann was passieren – warten wir es ab.

In Abgrenzuung dazu, dasselbe beim Irrealis der Gegenwart im Präsens: Wenn die Autobahn frei ist, fahre ich los – wenn er  mir das Geld überweist, zahle ich meine Schulden bei Dir – wenn Du aufhörst zu rauchen, wird Deine Mutter sich freuen. Allesamt Konstruktionen, die Wahrscheinlichkeit signalisieren. Wenn A, dann B. Punkt. Es muss nur eine Bedingungen erfüllt sein. Klappt schoo …. passt schoo ….

Und der Irrealis der Vergangenheit? Jetzt wird es happig: Der beschreibt Abgeschlossenes. Der trifft eine Aussage über eine Wahrscheinlichkeit, die nicht eingetreten ist: Wenn die Peruaner den Flug zum Pluto geschafft hätten, hieße deren neuer Präsident Pluto und würde bellen – wenn die Autobahn nicht gesperrt gewesen wäre, wären wir pünktlich gewesen – wenn Du mir das Geld zeitig überwiesen hättest, stünden jetzt nicht die Schläger von Russen Inkasso ohG vor Deiner Tür. Allesamt Sätze, die mehr oder weniger sagen: Pustekuchen! War nichts! Ist nicht eingetreten! Hier, beim Irreales in der Vergangenheitsform mit dem Plusquamperfekt, kann man getrost vom Leben im Konjunktiv reden.

Wenn die Oma Räder hätte, wäre sie ein Omnibus … Der bekanntes Irrealis der Vergangenheit im Plusquamperfekt.

* Ist würde-glaube-können nicht ein herrlicher Substantiv-Dreischritt zur Berufsbeschreibung des Herrn von Bellevue?

Kommentar hinterlassen on ""

Einen Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

*Anzeige: Die Seite enthält Links zu mehreren Webseiten, auf denen Sie Bücher bestellen können. Hierbei handelt es sich um Werbung. In eigener Sache zwar, aber Werbung bleibt Werbung, weshalb ich Sie an dieser Stelle darauf hinweise.