Die Sorgenteiler

Hey, Ihr! Das ist ja sowas von uncool!, sagt die Generation Facebook. Zwei Alte auf einem Plakat, zwei total normale Menschen. Die eine ist Pfarrerin, der andere sieht aus wie ein netter Onkel, ebenfalls Pfarrer, aber eher aus der Riege der Freiwilligenarbeiter – und das geht ja gar nicht. Dazu eine Sprechblase wie aus den Frühzeiten des Comic. Und ein Spruch, mit dem man auf Facebook sämtliche Gefällt-gar-nicht-find-ich-Scheiße-Knöpfe auslösen würde.

Wir sind Sorgenteiler.

Sorgen? Ja, das sind die Dinge, die man nicht hat – und wenn man sie hat, dann zeigt man sie nicht. Die beiden sagen, dass sie Nachbarn sind, und dass diese Nachbarschaft geprägt sein soll von einem lebendigen Miteinander. Einem was?

Lebendiges Miteinander hat wenig zu tun mit Chillen und Feiern und Abhängen und Party. Lebendiges Miteinander im christlichen Sinne…, ach, das zu erklären, ist verlorene Wort-, Gedanken- und Liebesmüh.

Ich finde den Begriff Sorgenteiler phänomenal. Ihn gibt es bisher nicht. Duden und Wahrig kennen ihn jedenfalls nicht, und ich kannte ihn auch nicht, bis ich das Plakat (Macher: www.agentur-triebwerk.de) an einer Tankstelle sah. Der Begriff ist deshalb so wunderbar, weil er exakt das sagt, was er sagen will und soll. Er macht aus einem zusammengesetzten Verb ein Substantiv. Sorgen teilen – Sorgenteiler. Darf ich Ihre Sorge teilen? Darf ich Ihnen etwas von Ihrer Sorge nehmen, indem wir sie teilen oder auch zerlegen, Ihre Sorge? Das ist wirklich gut, weil es einfach ist.

Das Plakat hat genau eine Botschaft: Wir sind da für Sie. Es versucht eine zweite Botschaft: Was bist du? Die Antwort kann lauten: Ich will auch Sorgenteiler werden. Oder: Ich bin Sorgenhaber. Mieses Deutsch, aber stark, jaja. Also: Ich habe Sorgen. Aber das ist lange nicht so stark wie Sorgenhaber und Sorgenteiler. Bravo!

Nachtrag, 21. Dezember: Vielen Dank für Ihre freundliche Erwähnung unserer Agentur in Ihrem Blog, schreibt Philipp Langenbach, Leiter Text&Konzeption der Agentur Triebwerk, fairerweise muss ich jedoch sagen, dass das Wort Sorgenteiler nicht aus unserer Feder stammt, sondern vom Generationennetzwerk selbst.

Na, bitte, hätten wir das auch geklärt! Danke für die Offenheit!

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