Zur Unwortwahl …

Manchmal reicht es, die Pressemitteilung abzudrücken, so wie in diesem Fall. Die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres aus einer Jury, die sich jedes Jahr neu bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache zusammensetzt, hat für das Jahr 2011 die Döner-Morde als das Unwort des Jahres ausgerufen. Richtig ist das. Gut ist das. Weil ich hoffe, dass man diesem wirklich falschen Begriff damit den Todesstoß gegeben hat. Selten hat wohl ein Wort so wenig gestimmt; selten war ein dummes Wort auch noch so politisch: Döner-Morde impliziert, irgendwelche türkischen mafiösen Menschen hätten sich da gegenseitig abgeknallt – Morde im Milieu, zuzutrauen ist das denen ja; die begehen ja auch diese Ehrenmorde.

NSU-Morde ist wohl der rechte (doppelter Wortsinn!) Begriff; es waren ja auch die RAF-Morde.

Auf den Plätzen in diesem Jahr: der Gutmensch und die Marktkonforme Demokratie.

Aus den Urteilsbegründungen: Mit dem Ausdruck Gutmensch wird insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des „guten Menschen“ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren. Kann man so stehen lassen, Jury!

Und: Die Wortverbindung marktkonforme Demokratie steht für eine höchst unzulässige Relativierung des Prinzips, demzufolge Demokratie eine absolute Norm ist, die mit dem Anspruch von Konformität mit welcher Instanz auch immer unvereinbar ist. Auch ok, Jury!

Wer sich die Unwörter der Jahre noch einmal zu Gemüte führen will, klicke hier; und wer sich die 2011er Diskussion um das Dumm-Unwort-Wort alternativlos noch einmal anlesen will, google das Wort gemeinsam mit dem Begriff Unwort. Klappt dann schon!

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