Sprachsnöden, Folge XII: Der Artikel bei den Vornamen

Schreiber und Sprecher machen Fehler, und wer hier welche findet, darf sie behalten. Es gibt indes Fehler, die immer wieder vorkommen. Auf diese dicken Hunde geht diese Serie ein, in loser Reihenfolge, also: immer, wenn mir danach ist, mal wieder den Herrn Besserwiss zu geben, den vermeintlich unfehlbaren.

Ich behaupte, es gibt keinen Radiosender für das Volk unter 40, in dem die Moderatoren die Anrufenden erstens nicht duzen und zweitens sie nicht mit dem Vornamen plus Artikel anreden. Ersteres ist eine Stilfrage, zweiteres ein leichtes Vergehen an der deutschen Sprache.

Ein leichtes nur? Wir sind nachgiebig, weil sich das so eingebürgert hat. Wo issn der Heinz? Auffe Wiese mit die Lotte!

Nun mal Klartext, und Sie da, Moderator des Dudeldings Bayern3, 50 Mal abschreiben:

Vornamen haben keine Artikel

Vornamen haben keine Artikel

Vornamen haben keine Artikel

So betrachtet, also streng betrachtet, ist das ein Fehler, den Lehrer anstreichen müssen. Ich ging mit dem Peter an den Fluß, wo wir die Lotte und den Heinz zum Fischefüttern trafen ist falsch. Es ist und bleibt falsch, auch wenn die Umgangssprache  es anders will und alle Moderatoren dieser Republik es wiederholen. Fehler Fehler Fehler!

In der Schriftsprache!

Andere Fälle indes haben die Namen schon. Ich ging mit beiden Peter und vier Lottes an den Fluss ist richtig. Kommen wir also – nach dem klaren Verdikt (in der Hochsprache) gegen die Artikel bei den Namen – zur problematischerer Beugung von Namen. Die ist mit Regeln durchzogen:

(1) Männliche Vornamen, die auf einem Konsonanten enden, klemmen ein E an: Dietriche, Wolfgange, Wolfe.

(2) Vornamen, die auf einem Vokal enden, klemmen ein S an: Ottos, Geros, Heinis, Heinos, Evis, Gabis, Sonjas, Heikes.

(3) Vornamen, die auf einem S-Laut enden oder mit Verkleinerungsformen oder mit el oder mit er oder mit en, verpluralen sich endungslos: die Michael, die Horst, die Alex, die Felix, die Heinz, die Gretchen, die Peter, die Marlen.

(4) Den nachgestellten Genitiv bilden Sie bitte ohne angehängtes S: Die Blumen des Jakob – die Männer der Lotte. Steht der Genitiv voran, muss es natürlich heißen: Jakobs Blumen – Lottes Männer.

Aber es heißt nie niemals nimmer nicht, und mag die Lotte noch so eine flotte sein: der Lotte ihre Männer (ganz mieser Genitiv) oder die Lotte und ihre Männer oder die Männer von der Lotte.

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Dies ist Folge XII der Liste der Sprachsünden. Die ersten elf finden Sie hier:
Das und dass X Das pur X Seit und seid X die Alternative X derselbe/dasgleiche X Extremst X Auf und zu X wieder und wider X Public Viewing X in kleinster Weise X realisieren

1 Kommentar zu "Sprachsnöden, Folge XII: Der Artikel bei den Vornamen"

  1. Monika Görsdorf | 11. Oktober 2018 um 14:11 | Antworten

    Hallo Herr Lohmann,
    auch wenn das Netz nichts vergisst, ist das Haltbarkeitsdatum der Links zu den ‚ersten elf Sprachsünden‘ anscheinend abgelaufen. Zumindest für den Browser, der nur mit ‚404 Seite nicht gefunden‘ dienen konnte. Ich dachte nur, das könnte Sie vielleicht interessieren 🙂
    Als begeisterter Neuling auf diesen Seiten, lese und genieße ich schon mal weiter 🙂

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