Was weißt „du-denn“, wer da panscht?

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Freut mich dann doch. Freut mich, dass man nicht mehr viel schreiben muss, weil die Überschriften anderer die Geschichte erzählen: Duden ist Sprachpanscher des Jahres 2013, schreibt der Verein Deutsche Sprache, der den Preis vergibt. Seine Mitglieder werden in jedem Jahr seit 1997 zur Wahl aufgerufen; erste Sprachpanscherin, damals noch Sprachschusterin, war Jil Sander. Der Grund für die Wahl? Ein Masterpiece of finest Denglish, lesen Sie hier. Eine Liste aller Sprachpanscher finden Sie hier.

In diesem Blog lasen Sie schon davon; ich hatte mich als eines von über 35.000 Mitgliedern des VDS, des Vereins Deutsche Sprache, in einem öffentlichen Votum zu meiner Wahl – den Duden – bekannt. Lesen Sie hier nach. Der VDS – um die Verbindungen offenzulegen – führt mich nicht nur als Mitglied; dessen Vorsitzender Prof. Dr. Walter Krämer ist auch Herausgeber des Deutschen Sprachkompasses, den ich verantworte. Nein, Frau V. Erdacht, Professor Krämer führt mir nicht die Feder. Der Sprachkompass hat sich in seiner Juli-Ausgabe drei Seiten lang mit dem Sprachpansch-Verdacht des Dudens befasst. Wollen Sie lesen? Schreiben Sie mir …

Unterhaltsam finde ich die Argumentation von Professor Krämer in der Pressemitteilung: Der Klapprechner, Minister Ramsauers Idee für den Laptop, findet 34.000 Google-Treffer – und steht nicht im Duden. Die Redaktion des Duden beruft sich aber immer auf eine objektive Auswahl der neuen Wörter: Fundstellen im deutschen Wortschatz.

Die Deutsche Presseagentur dpa hat den Duden-Chefredakeur zur Wahl befragt. Ich darf zitieren: Duden-Chefredakteur Werner Scholze-Stubenrecht reagierte gelassen und bezeichnete die Auswahl als „seltsam“. Es sei die Aufgabe des Duden, die deutsche Alltagssprache abzubilden und den Nutzern neue Begriffe wie „Stalker“ oder „Shitstorm“ zu erklären, sagte er.

Aber das Wort soccer für Fußball? Ein Graus! Dass das Wort Compi, das Diminutiv für den Computer, nun ebenfalls bestes Duden-Deutsch ist, verstehe, wer will, Schatzi-Mausi-Bär! Schatzi-Mausi-Bär ist übrigens kein Duden-Wort.

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Ranking dagegen, das Aufstellen von Ranglisten würde man in gutem Deutsch sagen, ist ein Duden-Wort. Dass der Stern (siehe Ausriss links) in seinem Artikel den Begriff VDS-Ranking nutzt, wurmt sicherlich nicht nur mich. Nachlässigkeit? Gewiss. Es zeigt aber auch, wie weit der Wahn, etwas auf Englisch sagen zu müssen, fortgeschritten ist.

Die Nürnberger Zeitung kommentiert die Wahl. Sie erhebt Konrad Duden zum Mann des Tages. Und stellt einen neuen Aspekt in den Vordergrund, den ökonomischen, der die Aufnahme neuer Wörter auch bestimmt: Mit dem Duden verhält es sich also wie mit dem Klapprechner. Wenn der nicht hin und wieder veraltet, verdienen die Hersteller nichts. Das mag dem Verein Deutsche Sprache missfallen. Ein bisschen muss aber auch eine Institution an die – ohnehin schwankende – Kundschaft denken. Der Sprachpanscher-Preis hat dies immerhin signalisiert: Den Duden gibt es noch.

Aha! Und darum Crossdresser und Compi, Schätzelchen?
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In eigener Sache
 Ich habe im Sommer bei der Münchner PR-Agentur vibrio den Damen und Herren ein wenig Nachhilfe beim Einsatz noch besseren Deutsches gegeben. Die Agentur war so freundlich, meinem Erscheinen einen Dankeschön-Artikel folgen zu lassen. Den lesen Sie hier. Es dominierten 40 Grad, das sehen Sie an den Bildern. Und wenn andere Agenturen dies lesen … und an eine Auffrischung denken …

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