Sparchsnöden, Folge IX: Public Viewing

Schreiber und Sprecher machen Fehler, und wer hier welche findet, darf sie behalten. Es gibt indes Fehler, die immer wieder vorkommen. Auf diese dicken Hunde geht diese Serie ein, in loser Reihenfolge, also: immer, wenn mir danach ist, mal wieder den Herrn Besserwiss zu geben, den vermeintlich unfehlbaren.

Diese Folge der Sprachsünden ist schnell geschrieben.  Sie geht so: Der Begriff Public Viewing ist ein sogenannter Neologismus. Wikipedia erklärt Neologismus, ich darf zitieren, so: Ein Neologismus ist ein lexikalisches Zeichen oder ein Wort, das in einem bestimmten Zeitraum aufkommt und sich verbreitet. Schließlich nehmen es Wörterbücher auf, die den Wortschatz dieser Sprache kodifizieren. Charakteristisch für die Neologismen ist, dass die Sprecher sie für eine gewisse Zeit als neu empfinden. 

Handy ist so ein Neologismus. Das Wort Handy klingt wie gutes Englisch, aber keiner in England oder den USA telefoniert mit einem Handy. Die sagen mobile oder cellphone.

Public Viewing ist so ein Neologismus. Das Wort klingt wie gutes Englisch, aber keiner in England oder den USA meint damit Massenfernsehen auf Großleinwänden. Es wurde erfunden von irgendeinem Fernsehmenschen zur Fußball-WM 2006. Der Fernsehmensch besaß entweder kein Oxford Dictionary – oder er besaß eines und schaute nicht rein. Oder aber er besaß eines, schaute rein und dachte: Na, dann wollen wir doch mal sehen, ob die das merken. Wenn Angelsachsen Public Viewing sagen, meinen sie einfach nur die öffentliche Besichtigung von etwas: das Betrachten populärer Leichen – oder das Ausstellen unidentifizierbarer Leichen gehört übrigens dazu. Wer es sehr viel genauer wissen will, dem sei dieser Blog-Betrag aus Herz gelegt.

Gleichwohl hat der Duden sich den Gegebenheiten angepasst. Public Viewing ist verzeichnet als gemeinsames Sichansehen von auf GroßbildleinwŠnden im Freien live Ÿübertragenen Sportveranstaltungen. Und abermals gleichwohl hat der Fernsehmensch vielleicht sogar Großes geschaffen; Public Viewing, so liest man, sei auch in Angelsachsen nun denkbar, als Sportereignisbesichtigung mit allerlei anderen.

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Dies ist Folge IX der Liste der Sprachsünden. Die ersten acht finden Sie hier:
Das und dass X Das pur X Seit und seid X die Alternative X derselbe/dasgleiche X Extremst X Auf und zu X wieder und wider

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Abwehroffensive geld.de (6)
Ich versuche seit geraumer Zeit, Spam des Unternehmens geld.de, Barfußgässchen 11 in Leipzig (Geschäftsführer: Friedrich Weidemann und Oliver Mell) abzubestellen. Gelingt nicht, die müllen anderleuts Kästen zu und leeren den eigenen nicht. Jetzt wird zurückgeschossen. Ich lese endlich mal, was die schreiben und erlaube mir, es zu kommentieren. Los geht es… (Originaltext im Normalsatz; meine Anmerkungen mittendrin in Rot.)

… eine hohe Inflationserwartung und Unsicherheit der Währungsentwicklung in Europa steigert uhhhh, wer steigert da etwas? Die Inflationserwartung PLUS die Unsicherheit … zwei Subjekte, und die fordern den Plural im Verb, also: steigern die Attraktivität von Edelmetallen. Mit dem Canada Gold Trust von CGT möchten wir Ihnen einen Kurzläufer aus dem Bereich der Goldgewinnung vorstellen hallo, Kurzläufer, reicht der Atem nicht für etwas Langes?. Wir betrachten diesen Fonds als qualitativ hochwertiges und zeitgemäßes Investment kann man einen Fond weniger zurückhaltend empfehlen? Kaum …

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