Aushosig

Wie Sie wissen oder in Jahren erfahren haben, schreibe ich hier immer wieder gerne über Themen, die mich persönlich sehr betreffen. Das Thema Jogginghosen und deren Gebrauch, deren Einsatz, deren Nutzen ist so ein Thema. Natürlich gehe ich in Jogginghosen einkaufen, natürlich trinke ich meinen Mittags-Chai-Latte in Jogginghosen, natürlich gehe ich abends zu meinem Stamm-Italiener in Jogginghosen. Mit Verlaub, der bedient mich in Partner-Hosen, indes mit dem Logo von Juventus Turin auf dem rechten Oberschenkel.

Wer eine Jogginghose trägt, soll der große Karl Lagerfeld gesagt haben, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Da stimme ich meinem Freund zu. Und ergänze: Wer es sich zur Aufgabe gemacht hat, jeden Morgen – Ausnahmen siehe unten: In eigener Sache – einen Beitrag über die deutsche Sprache zu schreiben, hat ebenso die Kontrolle über sein Leben verloren.

Ergänzung zwo: Und wer das in Jogginghose tut, hatte wahrscheinlich nie ein Leben.

Haben wir die Rahmenbedingungen des heutigen Tages also geklärt. Und wenden uns dem Bildchen zu. Ich hätte es nicht ausgewählt, wenn ich nicht innerhalb von vielleicht vierzehn Tagen dreimal über die Verwendung dieses Wortes gestolpert wäre, siehe Auszug aus den Stuttgarter Nachrichten.

Da ist irgendjemand eben so angetan von diesem fashionablen (dass ich dieses Wort jemals schreiben würde! So eine Hose macht mutig, wie ich gerade feststelle …) Kleidungsstück wie ich. Er wehrt sich dagegen, Jogginghosen in Schulen zu verbieten.

Her mit der Unterschriftliste, mein Mode-Freund, diesen Kulturkampf stehen wir gemeinsam durch, Venceremos Jogginghose! 

Ich schweife ab.

Mit Nichten ist die Jogginghose nur etwas für die Couch.

Ne, sag ich doch. Joggings auch in den Bundestag! Nichten auch in den Bundestag. Cousins auch, aber nur, wenn die Joggings tragen. Mit Tanten und Onkeln übrigens ist die Jogginghose noch viel ansehnlicher.

Und nun streife ich das Höschen, das geliehene, wieder ab, werfe mich in meine Jeans und versuche, mit der Hose auch die Albernheit abzulegen. Ich nehme mich des Worts einmal wirklich an. Gestehe zugleich, dass ist nicht in meinem aktiven Wortschatz ist, ich mir aber eine Notiz gemacht habe, es öfter zu verwenden. Ich werde es auch in meiner Arbeit öfter einsetzen, nämlich immer dann, wenn eine Autorin meint, etwas sei

in keinster Weise

irgendwie so. Kommt häufiger vor, als Sie vielleicht denken: dieses miese Wort, das nicht Mal einen Notsitz im Duden ergattern konnte, eben weil es grottenfalsch ist. Sie zweifeln? Gehen Sie einfach mal in die Suche meines kleinen, feinen, jogginghosenfreien Tagebuchs. Zum Beispiel ω hierher, sechseinhalb Jahre alt.

Der Duden schreibt zu mitnichten: gehoben veraltend, häufig spöttisch. Na, wunderbar, das passt doch. Gekauft! Ab in den aktiven Wortschatz.
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In eigener Sache

Liebe Leserin, lieber Leser, mit diesem Betrag aus meinem Haupt-Ressort Die Freizeit und ich gehe ich mal wieder in eine Groß-Arbeit, die mich lange fordern wird. Die Muße, morgens für Sie eigens die Jogginghose auszuziehen, um adrett zu sein, habe ich dann nicht. Seien Sie aber sicher, dass ich ungefähr Mitte November wiederauftauche.

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