Da klammert’s im Schüberl, es hakt im Stüberl

Die Parenthese ist eine rhetorische Figur, deren – Sie ahnen es – Etymologie im Griechischen siedelt. Parenthese – so lese ich – heißt nichts anderes als Einschub. Wer rhetorisch mit einer Parenthese arbeitet, schreibt mit Verve, Spucke und allerlei Kenntnis einen geschobenen Satz – eingeschoben zwischen zwei Gedankenstrichen, den langen, die mit dem Leerzeichen eingangs und am Ende, die hier Parenthese-Striche heißen sollen.

Dies war der Einstieg, und Sie haben gleich gelernt, wie man mit einer Parenthese umgeht.

Noch mal schauen?

  •  … deren – Sie ahnen es – Etymologie im Griechischen … Parenthese eins.
  • Parenthese – so lese ich – heißt nichts anderes … Parenthese zwei.

Alles klar? Sie wissen jetzt, wie man eine Parenthese baut. Das ist schon mal was. Genug Lehrstoff für den letzten Tag des Jahres.

Aber wenn Sie aus diesem annus horrible – um mal eine Prominente zu zitieren, Parenthese drei – ganz besonders viel mitnehmen wollen, lassen Sie sich noch dies mit auf dem Weg in den Rutsch ins Neue geben: Der Satz, den eine Parenthese krönt, muss gelesen werden können auch ohne Parenthese. Die Parenthese ist wirklich nur ein Einschub – und sonst gar nichts.

Mit  diesem Wissen schauen wir uns mal die Kritik an, die der Kollege Tobias Kniebe von der „Süddeutschen Zeitung“ – ja, es tut mir leid (Parenthese vier), ihr schon ω wieder, SZ –  dem wunderbaren Film „Werk ohne Autor“ (derzeit in der Mediathek der ARD und nur empfehlenswert) angedeihen lässt.

Einschub ω „Werk ohne Autor“ ist die von der deutschen Kritik zerrissene Biographie des Malers Gerhard Richter. Regisseur: Herr Henckel von und zu, der schon „Das Leben der Anderen“ gen Hollywood und zum Auslands-Oscar führte. Mit „Werk ohne Autor“ war er immerhin nominiert. Einschub – hier keine Parenthese; oder doch, die Parenthese fünf – Ende!

Jetzt wird es ein bisschen schwierig, und Sie werden gegen Ende des Jahres zu einer Höchstleistung aufgefordert. Sie müssen den Satz lesen, dessen Parenthese ich in Rot unterschlängelt habe.

Und Sie stellen fest – auch ich habe diesen Satz (Parenthese sechs) vier Mal lesen müssen –, dass er zwar mit allen Merkmalen einer Parenthese arbeitet, dann aber heillos einknickt. Der Satz, der eigentliche, ist nicht lesbar. Oder so rum: Ich lese ihn Ihnen mal vor.

Das hängt alles mit einer gewissen Hemmungslosigkeit im Einsatz der Mittel zusammen; und mit einer – freundlich formuliert könnte man sagen: Furchtlosigkeit – angesichts der größten denkbaren Themen.

So steht es da. Dass die beiden Parenthese-Striche hier die korrekten Abstände zum Rest des Satzes haben, einerseits, andererseits aber eher Bindestriche sind und nicht die längeren Gedankenstriche, darf man dem Autor nicht vorwerfen. Der digitale Setzkasten der „Süddeutschen“ lässt vielleicht nur diese Zeichen zu.

Und nun lese ich mal ohne Parenthese …

Das hängt alles mit einer gewissen Hemmungslosigkeit im Einsatz der Mittel zusammen; und mit einer angesichts der größten denkbaren Themen.

Reiner Schmarrn. Kaiserlicher Schmarrn, nicht wahr?

Und mit diesem leichten Schaudern lasse ich Sie ins neue Jahr, das ein allerbestes, gesundes werden möge.

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